Anna Calvi / One Breath/ Domino

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„One Breath“ ist der Nachfolger des gefeierten Debüts – und gleich im Opener „Suddenly“ zeigt Anna Calvi die Marschrichtung an: düsterer Pop, hymnischer Chorus – und etwas weniger Gitarren als auf dem ersten Album. Dennoch bleibt die Anna Calvi typische Gitarre natürlich weiterhin hörbar –nur eben ergänzt um weitläufige orchestrale Arrangements oder wie bei „Piece By Piece“ um Synths und Electrosounds. „Sing To Me“ kriecht heran wie  ein vergessenes Portishead-Stück – verloren hallt Annas Stimme wie es sonst nur bei Beth Gibbons möglich ist. Die Filmscore-Streicher dann am Ende  – ganz großes Kino – genauso wie das grandiose „Eliza“, das an Scott Walkers Großtaten in den Sixties erinnert. “Love of My Life” fällt fast aus der Reihe – ein Rückgriff auf das erste Album mit heavy tiefgelegten Gitarren und simplen Glamrock-Chorus. In „Carry Me Over“ klöppelt es minutenlang wie in einem Gamelan-Orchester, während die Streicher hyperventilieren – und immer wieder Annas große eindringliche Stimme.

Wer bei ihren Songs an Florence Welch denkt, liegt nicht so falsch. Anna hat allerdings die Gabe, ein Album durchweg mit erinnerungswürdigen, sich tief einprägenden Songs zu füllen. Einige Songs von „One Breath“ – so düster und verzweifelt seine Themen auch sind, so ungewöhnlich seine Arrangements – haben gar das Zeug zu einem Hit. Was die ähnlich mystische Lykke Li vormachte mit ihrem Überraschungshit „I Follow Rivers“, könnte so auch Anna Calvi gelingen z.B. mit „Suddenly“.

4/5

Martin Hannig