Thees Uhlmann / #2 / Grand Hotel van Cleef

Thees Ullmann auf entertaim.net

Der „Niedersachsen-Bruce“ Thees Uhlmann macht mit dem Opener „Zugvögel“ gleich da weiter, wo er mit seinem ersten sehr erfolgreichen Album aufhörte: mächtige Bilder, stoischer Beat, melodischer Rock, einprägsame Klavierfigur,  ohoho-Chor: das deutsche Gegenstück zum amerikanischen Heartland-Rock ist weiterhin möglich, ohne je peinlich oder abgegriffen zu wirken.  Düster-dräuend dann „Bomben meiner Stadt“ – textlich gar an Dylan oder den alten Niedecken ca 1982 erinnernd –mit wiederum „whooaahhhoo“-Chor – wie gemacht für die großen Konzerthallen und einer dieser typischen Uhlmann-Ohrwürmer, die es ja auf dem ersten Album auch schon gab.  Immer wieder spielt das Klavier als melodieführendes Instrument eine wichtige Rolle wie z.B. in „Im Sommer nach dem Krieg“ – eine sehr schöne Vision der Apokalypse…. Thees hatte ja die Idee, ein Album völlig ohne Liebeslieder zu machen, und dann kommen halt sehr ungewöhnliche Sujets raus – aber welch eine Wohltat, einen Sänger nicht nur von seinen eigenen Gefühlsduseleien singen zu hören! „Es brennt“ ist einer dieser eindringlichen Metaphern, die einen so schnell nicht loslassen. „Heimattümelei“ hat die Spex ihm kürzlich vorgeworfen – zu oft sei von „Wir“ die Rede. Da hat wohl jemand mit der linken Gutmenschen-Brille auf Uhlmanns Texte geschaut – hier geht’s nicht um Heimattümelei, sondern um reife und persönliche Lyrik, die zu seiner Rockmusik passt. Endgültig hat er mich dann wieder mit „Am 7. März“ – witzige Idee, alles was an einem 7. März passiert ist, in einen Liedtext zu bringen – könnte so groß wie „Zum Laichen und Sterben…“ werden! Die Zeile „mich ruft kein Vaterland, man weiß in was das mündet“ ist eine der stärksten Momente in der Karriere des  Thees U. – schöne Grüße an Spex.

Nicht jeder Song kann dieses Niveau halten – und das muss es ja auch gar nicht. Aber überall gibt es wunderbare Kleinigkeiten in den Texten zu erkennen, die in der Summe diesen humanistischen Uhlmann-Geist zu erkennen geben. Und es ist darüber hinaus eine Freude, dass Thees seine Manierismen im Gesang wie früher bei Tomte gänzlich vergessen lässt. Die Produktion ist diesmal sehr „ausgeglichen“, insgesamt könnte das Album aber mehr knallen – der Live-Sound ist auf jeden Fall ein ganz anderer. Thees Uhlmann ist ein Solitär, der einzige deutsche „Rocker“, der diesen Namen verdient – der Nachfolger der alten Garde um Grönemeyer und Westernhagen, aber auf seiner ganz eigenen Spur unterwegs: Heartland-Rock, mit dieser brennenden Sehnsucht, einer Portion Melancholie und einer Prise Wehmut. Und ja: ständig muss ich dabei an Springsteen denken. 😉

4/5

Martin Hannig

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