KARNIVOOL / MESHUGGAH, AIRBOURNE UND ASYMMETRIE

Karnivool bei entertaimnet

Köln scheint sich zu einer echten Hochburg in Sachen Prog, Djent und Math Metal zu entwickeln. Nicht nur, dass sich das Euroblast Festival zunehmender Beliebtheit erfreut, auch Bands wie Karnivool ziehen unglaublich viel Publikum und so füllten die Australier zum ersten Mal die Live Music Hall. Wir trafen Andrew „Drew“ Goddard vor der Show, um über ihre Pionierarbeit in Australien und das aktuelle Album zu sprechen.

Interview: Ilka Rowehl / Bild: Dennis Rowehl

entertaim.net: Ihr seid aus Australien und dort ist bzw. wird es Sommer. In Deutschland ist es wesentlich kälter. Macht einen das nicht depressiv?

Andrew: Ach, eigentlich nicht … so lange sind wir ja auch nicht auf Tour. Nach einigen Wochen kommen wir zurück und es ist schön warm.

entertaim.net: Ursprünglich solltet Ihr in Köln im Luxor spielen, aber aufgrund der hohen Nachfrage ist es in die Live Music Hall, die drittgrößte Venue in Köln verlegt worden. Es scheint hier ein gutes Publikum für euch zu sein?

Andrew: Stimmt, das ist hier einer der größten Shows außerhalb von Australien. In Australien ziehen wir 2000 bis 3000 Leute, aber das ist ein Prozess, der sich über Jahre hingezogen hat. Wir touren seit Jahren, aber diese Größenordnung ist schon überwältigend.

entertaim.net: Prog bis Djent ist mittlerweile stark im Kommen. Wie würdet ihr euren Stil auf dem neuen Album „Asymmetry“ beschreiben?

Andrew: Das stimmt, Djent ist durch Bands wie Meshuggah sehr populär geworden. Was uns betrifft, würde ich den Stil aber eher als Prog bezeichnen. Wir würden gerne auf dem Euroblast Festival spielen. Das ist eine absolut interessante Sache für uns.

entertaim.net: Seid ihr in Australien so etwas wie Pioniere in Sachen Prog? Die bekannten Bands von Down Under sind ansonsten AC/DC oder Airbourne …

Andrew: Ich denke schon, dass wir mit einigen wenigen Bands den Weg bereitet haben. Mittlerweile sind wir ziemlich groß in Australien und es hat sich ein Markt für diese Art der Musik entwickelt.

entertaim.net: Ihr seid aus Perth. Wenn man mal an die Ostküste will, ist es sicherlich nicht ganz einfach … ?

Andrew: Das sind schon eine Menge Autostunden. Es wäre natürlich leichter zu fliegen, aber Flüge sind mittlerweile sehr teuer geworden.

entertaim.net: Dann ist es wahrscheinlich billiger, über Los Angeles nach Sydney zu fliegen?

Andrew: (lachend) Vielleicht nicht L.A., aber es kommt schon vor, dass es günstiger ist, wenn man über Singapur fliegt. Im Ernst. Ist das nicht verrückt?

entertaim.net: Lass uns über das aktuelle Album „Asymmetry“ sprechen. Eine gewisse Asymmetrie fühlt man musikalisch, aber worum geht es textlich.

Andrew: Die Texte lassen einen großen Spielraum für Interpretationen, sie sind sehr metaphorisch. Es geht uns vor allem um eine Synthese aus den Texten und der Musik, dass beides perfekt zusammenpasst. Natürlich steht die Musik im Vordergrund, aber es ist wichtig, dass beides miteinander harmoniert. Texte sind nicht einmal notwendig. es gibt auch großartige Songs, in denen die Musik für sich selbst spricht.

entertaim.net: Eure Musik hat sich stakt in eine komplexe Richung entwickelt. Was ist zukünftig zu erwarten?

Andrew: Das ist richtig, dass einige Songs sehr komplex sind, vielleicht werden wir zukünftig die Songs wieder vereinfachen. Auf der einen Seite ist es interessant, alle Möglichkeiten auszutesten, aber andererseits wird man auch verrückt (lacht).

entertaim.net: Wenn man komplexe Songs spielt, besteht nicht die Gefahr, dass man gewisse Teile einfach mal vergisst?

Andrew: Das ist schon mal passiert (lacht).

entertaim.net: Bei AC/DC ist das sicherlich unwahrscheinlicher?

Andrew: Ach, weißt du … selbst Meshuggah trinken mal vor der Show und spielen dennoch tadelos. Wir nennen es Muscle Memories. Man denkt auf der Bühne nicht. Nachdenken wird überbewertet. Man spielt einfach und die richtigen Töne zur rechten Zeit zu spielen, kommt irgendwann automatisch, wenn man lang genug spielt.

entertaim.net: Wenn du schon bei Meshuggah bist, das hat irgendwie den Touch von Mathematik. Also ich finde die Eins nicht …

Andrew: Das ist gewönungsbedürftig. Wenn man einmal die Eins gefunden hat und ein Gefühl dafür entwickelt hat, dann versteht man Meschuggah auch. Dann besteht auch eine Einfachheit in dieser Musik. Wie gesagt, wir nennen es Muscle Memories … wenn du ein Auto fährst, denkst du ja irgendwann auch nicht mehr darüber nach, ob, wann und wie du die Gänge wechselst. Es kommt automatisch. Oder wenn du Englisch sprichst. Du sprichst einfach. Es ist eine Sache von Erfahrung.

entertaim.net: Wenn man aus Australien kommt, wie groß ist die Beziehung zu AC/DC?

Andrew: AC/DC sind die Paten! Sie sind natürlich unschlagbar! Man muss sie lieben!

entertaim.net: Wer spielt heute als Support?

Andrew: The Intershere. Sie kommen aus Deutschland und sind wirklich eine großartige Band!

entertaim.net: Okay, vielen Dank für das Gespräch und noch weiterhin viel Erfolg.

Andrew: Vielen Dank.

(Andrew Goddard und Ilka Rowehl beim Interview)

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