MIDDLE CLASS RUT/ Pick Up Your Head / Rykodisc (Warner)

middle-class-rut-pick-up-your-head

„Born Too Late“ heißt der Opener des neuen MIDDLE CLASS RUT Albums, ihr zweites. Ein brutaler Punkrocker, voll auf die 12, genau wie später „You Don’t Belong“  – und sicherlich nicht stellvertretend für „Pick Up Your Head“. Gleich „Leech“ im Anschluss schleicht auf einem gemeinen Groove daher, während dann „Weather Vein“ sich tanzbar gibt – schleppender Groove, alarmierende Vocals und ein paar Gimmicks, die dem Songs wie auch dem ganzen Album ein 90er Jahre Feeling verpassen. Früher hatten die H-Blockx mal so ähnliche Musik gemacht (vor allem die Vocals erinnern mich an sie) – da hieß das mal Crossover –  und waren recht erfolgreich. Denkt man sich den HipHop Einfluss der H-Blockx weg, und legt noch ein Pfund heavy rock drauf, kommt man zu Zack Lopez und Sean Stockham – so heißen die beiden Kalifornier hinter dem Namen MIDDLE CLASS RUT. Sie scheinen mit ihrer Musik irgendwie einen Zeitgeist zu treffen – so wie sie allenthalben gelobt werden. Aber ihr Sound ist fetter als die üblichen Drums/Guitar-Kollaborationen – und die Songs können auch in diesem eigentlich beschränkten Kontext super bestehen. Eigentlich jeder Song könnte als Single ausgekoppelt die Massen auf die Indierock-Tanzflächen treiben – die Mischung zwischen John-Bonham-Drums und heavy groovenden Gitarren ist auf jeden Fall höchst ansteckend. Ob das alles kühl berechnend ist um mal das next big thing zu sein – ja kann schon sein, denn einige Songs sind offensichtlich auf ihr Hitpotential geprüft und etwas überdimensioniert produziert worden. Wenn dann aber so was wie „Dead Eye“ bei rumkommt, kein Problem: ein herrlich schwebender Track mit absoluter Ohrwurm-Melodie! Insgesamt eine extrem runde Leistung, macht Lust auf mehr, vor allem live! MIDDLE CLASS RUT haben eines der aufregendsten Rockalben des Jahres eingespielt.

Martin Hannig