c/o pop / c’n’b / Social Media beim BVB – Emotionen und Interaktionen nach dem Hype

c/o pop / c’n’b / Social Media beim BVB – Emotionen und Interaktionen nach dem Hype

Unwetterartige Regenfälle und heftige Gewitter führten zu Zugausfällen und Chaos auf den Straßen – so dass beim Panel „Social Media – Monetizing The Entertainment Industry“ nur ein Gast auf dem Podium begrüßt werden durfte: David Görges, Social Media-Chef bei Borussia Dortmund. Die neue Ausrichtung des c/o pop-Kongresses c’n’b convention im 10. Jubiläumsjahr auf ökonomische Fragen der nicht mehr so neuen Medien tat dem gesamten Kongressprogramm sicherlich gut – konnte der enge Horizont der Musikwirtschaft so doch des Öfteren hinter sich gelassen werden und die Verzahnung der medialen Aktivitäten Rechnung getragen werden. entertaim.net war auch in diesem Jahr auf der c/o pop samt convention zu Gast…

Ein Bericht von Martin Hannig /Foto: c/o pop-Eröffnung by c/o pop

Die grundlegende Frage „Monetizing The Entertainment Industry“ konnte natürlich mit nur einem Gast – zudem aus einem sehr speziellen Wirtschaftszweig – nicht wirklich befriedigend beantwortet werden. Aber immerhin: es gab interessante Einblicke in die Social Media-Realität eines großen börsennotierten Fußballvereins.

2011 war das Jahr, in dem Soziale Medien für den BVB zum Selbstläufer wurden. Die Strategie dahinter lautet: Social Media ist fest implementiert als neuer Kommunikationskanal im Verein – dabei wird aber jeder Kanal individuell „bespielt“. So gibt es teils exklusive Infos auf den einzelnen Plattformen. Sofern „die Geschichte stimmt“, so Görges, kann man erfolgreich sein. Aber: das Produkt ist in diesem Falle der Fußball, und ohne eine gute Mannschaft gäbe es naturgemäß auch viel weniger zu kommunizieren.

Der BVB bespielt seine Kanäle Facebook + Twitter inzwischen zweisprachig deutsch und englisch – dank der überragenden letzten Saison mit Champions-League-Finale ist das Interesse im Ausland exponentiell gewachsen. Inzwischen verzeichnet der Club auf Facebook 2,8 Mio. Fans und 700.000 App-Downloads.

Gelingensbedingungen für den erfolgreichen Facebook-Auftritt nannte Görgens einige: Zuerst einmal zeichnet sich der Fußball durch eine hohe Emotionalität aus. Es muss also mit Bedacht agiert werden. Grundsätzlich bedarf es eines positiven Umfeldes auf Facebook, damit die Fans interagieren. Trolle und User, die gegen die Richtlinien verstoßen, werden durch Filter daran gehindert und im Extremfall – nach mehrfachen Auffälligkeiten – auch verbannt. Dies kommt aber selten vor, denn wie so oft in großen Netzen gibt es Selbstreinigungseffekte, die dazu führen, das bestimmte Sachen erst gar nicht hochkochen.

Verdient der BVB mit seinen Social Media-Aktivitäten Geld? Gibt es einen monetären Mehrwert? Hier positioniert sich Görges eindeutig: Facebook beim BVB ist zunächst einmal kein kommerzielles Angebot! Die einzelnen Kanäle werden vorgehalten, um ein „kommerzfreundliches“ Umfeld zu schaffen – erst über diesen Umweg sei der Fan bereit, Geld auszugeben. Gar nicht funktionieren würde z.B. direkte Werbung für Merchandise-Artikel. Zum anderen bringt der Social Media-Hype auch mehr Sponsorenaufmerksamkeit. Gab es früher nur Stadionwerbung und TV-Einnahmen, kann man nun mit eigenen Kanälen reichweitenstark Menschen erreichen, was für Sponsoren extrem attraktiv ist.

Neben Facebook ist der BVB auf Twitter aktiv, zudem auf Instagram, weil dort auch viele Spieler sind – für Görges eine weitere aussichtsreiche Plattform. Außerdem gibt es Aktivität auf Tumblr.

Interessant aus ökonomischer Sicht ist die Frage der Ressourcenzuteilung im Hause Borussia Dortmund. Für die gesamten Social Media-Kanäle sind inzwischen 4 Personen zuständig. Einer davon betreut die Facebook-Page, 2 davon kümmern sich um die verschiedenen Inhalte mit Schnittstellen zu anderen Abteilungen. Dabei wird ein Mix aus redaktionellen geplanten Inhalten und spontanen News (der Profi-Fußball ist nun mal ein sehr tagesaktuelles Geschäft) verarbeitet. Der Arbeitsalltag der Mitarbeiter im Bereich Soziale Medien sieht pro Woche 3 Termine für Redaktionssitzungen vor – daran  nehmen auch Kollegen aus dem Marketing und der Kommunikation teil.

Abschließend wurde David Görges um einen Ausblick gebeten. Eine Prognose, so Görges, sei hier schwierig. In den letzten beiden Jahren hätte sich die Situation normalisiert, der Hype sei vorbei, es gab auch wenig Innovation. Er ist aber der Überzeugung, dass es große Soziale Netze auf längere Sicht weiterhin geben wird – ob es nun Facebook sei oder andere.

Co pop

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