Liga der gewöhnlichen Gentlemen / Das Leben nach Superpunk – Gute Musik und nette Leute! Interview mit Carsten Friedrichs

Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen on entertaim.net

Wenn gediegener Soul-Rock in Deutschland einen Namen hat, dann heißt er Carsten Friedrichs – der Kopf der „Liga der gewöhnlichen Gentlemen“ ist bekannt für seine ziemlich einmaligen Songs, die – jederzeit tanzbar – mit seinem ganz speziellen skurrilen Humor versehen sind und immer tierisch Spaß machen – egal ob auf der Clubbühne oder auf Albumlänge zu Hause. Manchmal mit einer Träne im Knopfloch, immer auf der Suche nach dem tollen Refrain, jederzeit den deutschen Soul im Herzen tragend – das war nicht nur jahrelang SUPERPUNK, das ist nun auch der überraschend schnell aus der Taufe gehobene SUPERPUNK-Nachfolger „Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen“.

entertaim.net bat Carsten vor dem Gig im Kölner Blue Shell zum kurzweiligen Plausch – der natürlich auch von Carstens hanseatischem Humor lebte. Das Ergebnis lest weiter unten…. Danach wurde das proppenvolle Blue Shell – nachdem die Kölner The Moriartees kräftig rock’n’rollig eingeheizt hatten – zur Wiederkehr der Superpunk-Musik. Allerdings gab es bis auf zwei Ausnahme („Man kann einen ehrlichen Mann nicht auf seine Knie zwingen“ / „In der Bibliothek“ als Zugabe) nur neue Liga-Stücke zu hören, die den alten Superpunk-Sachen in keinster Weise nachstehen. Fantastischerweise war der großartige Bernd Begemann mit als Gitarrist und Backgroundsänger nach Köln gekommen,  als Ersatz für den etatmäßigen Gitarristen, der sich bei einem Kinderfußballspiel (!) den Fuß brach. So gab es zwischen den Stücken viel Gelegenheit für Carsten und Bernd, hemmungslos herumzublödeln, einen Spruch nach dem anderen rauszuhauen und überhaupt immer wieder darauf zu verweisen, dass Bernd ja gar nicht Sologitarre spielen kann – was er dann aber doch gut kaschieren konnte. Überhaupt war Bernd Begemann als „Gewöhnlicher Gentleman“ eine ideale Besetzung, man wünschte sich glatt viel mehr davon! Warum er aber auf einem Einzelzimmer auf Tour besteht, wurde nicht hinreichend geklärt. Nachdem dann ihr kleiner Hit „Jeder auf Erden ist wunderschön, und auch du“ zum zweiten Mal zum Besten gegeben wurde, war Schluss und die Band holte sich ihren verdienten Applaus ab.

Interview: Martin Hannig / Photo: Martin Morris

entertaim.net: Carsten, es gibt nun die Liga der gewöhnlichen Gentlemen – ich kenne nur die „Liga der außergewöhnlichen Gentlemen“ –  gibt es da einen Zusammenhang zwischen den englischen Helden und euch?

Carsten: Als wir die Band gegründet haben brauchten wir einen möglichst fetzigen und coolen Namen. Uns ist aber keiner eingefallen. In der Gegend wo ich lebe gab’s dann so einen Höker der verkauft immer so ’nen Schrott. Der hatte immer so eine VHS-Kassette im Fenster mit der Liga der außergewöhnlichen Gentlemen. Ich dachte immer: witziger Titel – Sean Connery spielt mit – wieso kauft das keiner?  Als wir dann einen Namen brauchten, möglichst einen kurzen fetzigen prägnanten….

 entertaim.net:… Geht es kürzer und prägnanter als Superpunk ?

Carsten: Nee geht eigentlich nicht… Auf jeden Fall einen Namen mit dem man auch mal ein dickes großes Festival headlinen kann… Und dann meinte ich „Liga der außergewöhnlichen Gentlemen!“. Ja aber außergewöhnlich sind wir ja nicht, meinten die anderen. Ja – dann sind wir halt die Liga der gewöhnlichen Gentlemen, meinte ich. Voll geil, voll witzig, meinten die anderen. Jetzt werden wir natürlich nie ein dickes fettes Festival headlinen, weil der Name zu lang ist und nicht aufs Plakat passt….

 entertaim.net: Aber ich habe euch gesehen auf einem Plakat.

Carsten: Ja, aber immer ganz unten….

 entertaim.net: Sind die Songs von dem Liga-Album eigentlich Songs aus Superpunk-Zeiten, die ihr schon in der Westentasche hattet?

Carsten: Ja das nächste Album  mit Superpunk war schon geplant. Und dann hat sich die Band aufgelöst. Und da dachte ich: ich hab hier noch ein Paar Stücke, die sind ja ganz flott… die retten wir mal rüber und nehmen sie mit der neuen Band auf.

 entertaim.net: So hört sich das auch an finde ich, sehr nahtlos… Und wie kam es dass ihr den Namen Superpunk habt fallen lassen?

Carsten: Nee, das ist ja nun eine ganz andere Band, da bin ja nur ich dabei mit der Stimme…

entertaim.net:… die natürlich sehr prägnant ist…

Carsten:… Ja, die ist nicht sehr gut, aber prägnant wie bei vielen berühmten Sängern. Außer mir und dem Bassisten ist das nun eine völlig neue Band … Natürlich dieselben Einflüsse wie man hört, aber jetzt Industrial metal oder Dubstep  zu machen, da hatte ich keine Lust zu.

 entertaim.net: Und da du an Gitarre und Gesang und an den Texten und der Musik noch federführend beteiligt bist, darf man sagen dass es noch das alte Superpunk-Ding ist?

Carsten: Ja sicher, die Texte sind von mir, so texte ich nun mal. Aber der Schlagzeuger ist völlig anders, unser Gitarrist spielt auch mal Saxophon das ist was völlig anderes. Aber klar – letztlich ist der Unterschied nicht so groß….

 entertaim.net: Was mich letztes Jahr erstaunte war wie schnell es weiterging. Erst kam die Meldung vom Superpunk-Ende und nahtlos daran gab’s schon die Meldung von der neuen Band, superschnell.

Carsten: Wir hatten halt die Songs schon. Unser Keyboarder Gunther hatte die Stücke schon vorproduziert. Und wir dachten: „Mensch das läuft doch gut, das macht so Spaß, komm wir laden nette Leute ein!“ Und dann haben wir ein paar Freunde eingeladen. Einige haben abgesagt und einige hatten Lust,  und so ist die Band dann entstanden.

entertaim.net: Ihr spielt immer so zwei drei Gigs hintereinander danach gibt es eine längere Pause. Ist das Absicht so?

Carsten: Ja, das ist der Plan. Erstens haben wir alle Jobs und zweitens: wir sind ja keine Band, die an einem Dienstag in Osnabrück zum Beispiel spielt und hofft dass da genügend Leute kommen. Stattdessen spielen wir Städte, bei denen wir hoffen dass viele Leute kommen und gern an Tagen wie heute, so am Wochenende oder kurz davor.

 entertaim.net: Du hast einmal in der taz deine Lieblingsplatten vorgestellt. Bestes deutsches Album war das 2. Album von Die Doraus und die Marinas, also von Andreas Dorau. Warum gerade diese Platte, was findest du besonders toll daran?

Carsten: Das ist auch heute noch eine ganz außergewöhnliche Platte mit einem außergewöhnlichen Sound. Diese Mischung aus kalifornischer Musik, Psychedelic und ein bisschen Ska – das finde ich komplett außergewöhnlich und interessant. Dazu noch tolle Melodien und tolle Texte. Die Platte wollte ich als Jugendlicher immer haben. Ich habe sie einfach nicht gekriegt – nur mal ein Stückchen auf Tape hier und da und mal hatte ich eine Single daraus. Und dann ist sie letztes Jahr bei dem fantastischen Label Bureau B neu rausgekommen. Und ich habe sie mal am Stück gehört und dachte: das ist es. Es gibt ja einige Meisterwerke von ihm, aber das finde ich nach wie vor die beste deutsche Platte –  obwohl Dorau sie selbst ich ausstehen kann, finde ich die super.

entertaim.net: Dieser erste Song auf der Platte „Die Welt ist schlecht“ könnte auch ein Carsten Friedrichs-Song sein….

Carsten: Ja stimmt, die Einflüsse sind ähnliche. Und ein sehr guter Sänger mit einem limitierten Tonumfang – dann kommt sowas raus (lacht)

entertaim.net: Du machst jetzt mit deiner neuen Band „Die Liga“ weiter. Früher bei Superpunk waren ja die Gigs immer recht gut besucht. Glaubst du dass die alten Superpunk-Hörer den Schritt mitmachen  jetzt auch zu euch kommen?

Carsten: Superpunk waren ja nie sowas wie Tocotronic oder Die Ärzte oder so… Wir können uns auf jeden Fall nicht beschweren. Ich bin sehr zufrieden damit  – ich bin sowieso sehr schnell sehr zufrieden… Wenn die Leute das gut finden und nur die Hälfte kommt, dann bin ich einmal mehr sehr zufrieden. Nur ein paar nette Leute, Musik machen,  mehr brauche ich nicht. Und wem es nicht gefällt – der kann ja seinen Scheiß hören…

entertaim.net:  Auf deinen Platten gibt es ja immer diese kulturellen Querverweise, oft so insidermäßig. Und auf der Liga-Platte gibt es den „5. der 4 Tops“, was schon mal ein sehr witziger Titel ist. Und an dem Song merkt man dann, wie sehr du die Musik magst…

Carsten: Da geht es grundsätzlich über die Liebe zur Musik und über den Spaß, und wie einem das immer wieder hilft.

entertaim.net: Denkst du, du kannst du Leute damit anfixen auf die ganz alten Soul-Sachen – das ist ja schon ein relatives Spezialisten- Programm…

Carsten:  Ja klar, wenn ich mit diesem Song jemanden anfixen kann, der oder diejenige wird mir auf ewig dankbar sein. Aber ich denke mal heute kommen hier 120 Leute, und davon interessieren sich 50 Prozent dafür und davon werden 99 Prozent es sofort wieder vergessen – und ein Prozent soll dann von mir aus das ganze Leben lang mit einem Lächeln im Gesicht herumlaufen und an mich denken, der sie auf diese wunderbare Musik gebracht hat.  Oder auch nicht.

entertaim.net: Du bist also immer noch begeisterter Soul und Northern Soul-Hörer….

Carsten: Ich höre sehr viele unterschiedliche Musik. Am liebsten aber Motown und Northern Soul. Wenn ich schlecht drauf bin höre ich The Four Tops und es geht mir nicht mehr so schlecht.

entertaim.net: Und die Temptations?

Carsten: Auch sehr gerne. Aber die 4 Tops noch lieber. Temptations „Get Ready“ ist natürlich eines der Meisterwerke.

entertaim.net: Kommen wir nun zu unserer beliebten Rubrik „Entweder –  oder“ – abgekupfert vom Rolling Stone. Ich nenne dir zwei Begriffe und du sagst mir was dir dazu einfällt..

Carsten: Stark, sowas mach ich gerne.

entertaim.net: Frank Farian oder Dieter Bohlen?

Carsten: Fank Farian. So ein Boney M. Playback ist schon was Gutes. Von Blue System fällt mir da jetzt nix ein. Der Typ ist ja ganz witzig, wie der immer Sprüche so raushaut, aber die Musik ist nicht mein Geschmack.

entertaim.net: John oder Paul?

Carsten: Wow, das sind ja Fragen. (überlegt). Ich mag Johns Stimme ein bisschen lieber, deswegen John.

entertaim.net: Motown oder Stax?

Carsten: Motown!

entertaim.net: Jerry Lee Lewis oder Little Richard?

Carsten: Verdammt schwere Frage. Jerry Lee Lewis! Ich habe auf dem Flohmarkt vor kurzem ein Album „Live in Hamburg“ erworben und das ist eine der besten Live-Platten aller Zeiten!

entertaim.net: Ich habe auch so ein unglaubliches Live-Album von ihm aus den Sechzigern oder so, das ist so laut und fanatisch, völlig unglaublich für die Zeit, das ist fast Punkrock….

Carsten:… Ja genau, das muss das sein, Live im Star Club  – bestes Live- Album aller Zeiten! Wie er dort singt, und das Publikum abgeht „Jerry Jerry!“, es ist unglaublich.

entertaim.net: Punk oder Funk?

Carsten: Punk. Da gibt’s keine zwei Meinungen.

 entertaim.net: Danke dir Carsten! Viel Spaß heute Abend!

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