FILTER / The sun comes out tonight (Universal)

Filter auf entertaim.net

Refrains waren irgendwann mal out und Songs sollten keine Arrangements mehr beinhalten, stattdessen reichte ein Basslauf, eine melancholische, depressive oder Anti-Attitude oder vielleicht auch beides, dann ein Leiden im Gesicht … für das ganze Elend dieser Welt … und ein Holzfällerhemd, ohne jemals einen Baum auch nur im Entferntesten angerührt zu haben (Gottlob!) … naja … und das ganze nennt man dann die 90er des Rocks … Passion, Crossover, Trauer, Leid, Sollitude, Grunge und so weiter. (Naja … einige coole Ideen sind ja auch entstanden). Und in dieser Zeit mit der NIN-Inspiration entstand auch Filter mit Mastermind Richard Patrick und erlangte Ruhm mit „Hey Man, nice shot“, einer irgendwie coolen Nummer, die aber genauer betrachtet auch nur aus einem einzigen Basslauf bestand bzw. besteht. Aber das schien „damals“ ja zu reichen, ansonsten hätten es viele Bands wie z. B. den Deftones niemals geschafft, mit eigentlich belanglosen Songs aber der Innovation, den Bass ins musikweltbildliche Zentrum gestellt zu haben, den Musikmarkt (des Rocks) erobert zu haben und weitere Acts wie Marilyn Manson, Limp Bizkit etc. zu prägen. Somit muss man diesen Bands eine gewisse Art von Pioniergeist durchaus unterstellen. Und dazu gehörten natürlich auch FILTER. Was ist aber nun aus FILTER geworden? „The sun comes out tonight“ heißt das nunmehr sechste Album – allerdings liegt die Vermutung nahe, dass weder nachts die Sonne scheint, noch der Mond um die Mittagszeit sein Antlitz offenbart, denn Richard Patrick dümpelt in einer Gratwanderung zwischen altem Ruhm bzw. dessen, was einst erfolgreich war, und modernem Pop. „Anthems for the Damned“ war diesbezüglich vermutlich noch experimenteller. Bei einigen Tracks wie „What do you say“ scheint „Hey Man, nice shot“ allgegenwärtig zu sein und die Assoziation an den berühmten Basslauf soll vermutlich alte Fans begeistern. Doch dann nimmt der Pop seinen Lauf und ich bin mir ab Song Nr. 3 nicht mehr sicher, ob ich ein neues Album von FILTER oder COLDPLAY höre??!! Eine sich der Gesellschaft anbiedernden Mainstream-Popmusik wird einem dargeboten. „Surprise“ hätte grandiose Ambitionen, die Hintergrundmusik eines Altersvorsorge-Versicherungsspots oder Opener der Pädagogikmesse zu werden! Boahhhhh …. ist das gelackt, vorhersehbar und gleichsam mainstreamig … und somit langweilig und schon irgendwie belanglos! Um es vorweg zu nehmen … eine perfekte Platte für Coldplay-Fans, die keine Überraschungen lieben, ein politisch korrektes und vorgefertigtes Leben führen und hin und wieder „böses und hartes“ Zeug wie Bon Jovi’s „It’s my life“ oder die „Globalisierungsgegner“ und multimillionschweren Neo-Kapitalisten von U2 hören und somit mal richtig die Sau rauslassen wollen. Diese Leute glauben dann auch, dass HEUTE NACHT DIE SONNE RAUSKOMMT. Würde ich diesem Klientel angehören, bekäme dieses Album mindestens 4 Punkte … möglicherweise wurde ich aber zur kritischen Reflektion verflucht, sodass ich leider zur subjektiven Erkenntnis kommen musste, es mit einem biederen Album im Rockgewand zu tun zu haben. Ach ja … und Song Nr. 7 hört sich ebenfalls und schon wieder nach „Hey Man, nice shot“ an. Oh mein Gott, noch 5 Songs … welch musikalische Überraschungen werden mich jetzt noch erwarten? Radiotauglichkeit! Das ist das Motto! Mit diesem Album könnten Filter sicherlich bei WETTEN DASS auftreten. Ein massenkompatibles Album ohne Belang, gut und nett produziert und passend zum Bandnamen und zur Raucherdiskussion in Kneipen: Rauchen ja, aber nur mit FILTER … im übertragenen Sinne ein Synonym von „Zensur“. Ein perfektes Album für leitende Angestellte im Versicherungswesen, Studeindirektoren, Wähler der Grünen und Fachleiter … so meine subjektive Einschätzung! Also splitten wir mal das Ergebis. Meine persönliche Wertung fällt eher bescheiden aus … im Rahmen der Radiotauglichkeit haben FILTER ein rundes, poppiges Album mit potentiellen Hits abgeliefert, was sich durchaus sehen lassen kann … wenn man auf Mainstream steht …

2/5 (persönlich); 4/5 (objektive Mainsteam-Wertung)

Dennis Rowehl