Motorpsycho / live im Gloria / Köln 2013 (Live review)

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Motorpsycho, Köln, Gloria, 29.04.13

von Martin Hannig / Pic by courtesy of Stickman Records

Die Alben zähle ich nicht mehr mit – ich kaufe sie einfach. Ungefähr jedes Jahr ein neues . Über die einzelnen Songs habe ich inzwischen den Überblick komplett verloren – was sich bei den Trondheimern seit 1989 an Meisterwerken angesammelt hat, und was jährlich hinzukommt, spottet jeder Beschreibung. Glücklicherwiese kann man dann während des Gigs doch meist alle wiedererkennen – wenn auch nicht namentlich…. Kommen sie auf Tour, ist demnach ein Besuch Pflicht.

So auch dieses Jahr, diesmal wieder im Gloria, nachdem sie zuvor gefühlt schon jeden Laden in Köln bespielt haben, mal klein (Gebäude 9) mal groß (Live Music Hall).

Wer zu Motorpsycho geht, weiß einerseits was ihn erwartet, andererseits ist die Setlist jedesmal eine totale Überraschung. An diesem Montagabend ist das Gloria sehr gut gefüllt, und ein bunt gemischtes Publikum zwischen ewigen Studenten und Alt-Indie-Rocker harrt erwartungsvoll der Dinge. Und die kamen gewaltig: „Whip That Ghost“ vom 2000er Album „Eat That Cake“ machte  den überraschend jazzrockigen Anfang – schon hier überzeugte die Band mit ihrem unglaublichen tighten traumwandlerischen Zusammenpiel. Sowieso ist es immer wieder eine Freude, dem Rickenbacker-Spiel von Bent zuzusehen, der seinen Linkshänder-Bass (und ab und zu auch die Gitarre) in seiner unnachahmlichen Art melodisch einzusetzen weiß. Ist Bent nicht einer der besten Bassisten im Rockgeschäft? Dazu Snahs extem variantenreiches Gitarrenspiel. Den richtigen Kick holen sich die beiden bei ihrem Drummer Kenneth, der am Instrument brilliert wie ich es selten bei einem Drummer gesehen habe. Seitdem er in der Band ist haben Motorprsycho definitv ein neues Level erreicht – ein extrem druckvoller Drummer, der dem psychedelischen Space-indie-psychedelic-prog-heavyrock die nötige Erdung gibt. Als Gast auf dieser Tour war dabei an der 2. Gitarre Reine Fiske, bekannt durch die schwedische Band Dungen – er spielte auch schon auf dem aktuellen Album „Still Life With Eggplant“ (ich liebe die durchgeknallten Albumtitel!) mit. Reine schob immer wieder neue Gitarren-Soundwellen durch den eh schon dichten Motorpsycho-Klangkosmos – womit sich das ganze noch eine Stufe lauter und rockiger anhörte! Nur beim letzten Song der Zugabe, „A K9 Suite“, setzte er sich ans Mellotron, um ein psychedelisches Intro zu spielen. Und natürlich muss ich jetzt mal die genialen Stimmen von Bent und Snah erwähnen, die in ihrem Lautstärke-Orkan immer wieder Momente finden, in denen sie Beach-Boys-like harmonieren – dies wird viel zu wenig gewürdigt und muss jetzt mal gesagt werden!

Gab es Highlights? Eigentlich ist eine Motorpsycho-Show eine Kette von musikalischen Highlights. Ich fand den alten Gassenhauer „Greener“ besonders erwähnenswert, toller atmosphärischer Song, und besonders das genial ausufernde „The Alchemyst“, als Bent minutenlang die gleichen 3 Noten spielt und mit Kenneth eine Bass-Drums-Fundierung legt, auf der Snah  total  abgefahrene Space-Gitarrensounds improvisiert.  Großes Kino!

Nach geschlagenen zweieinhalb Stunden (!) – die wie im Fluge vergingen – bleibt festzuhalten: Motorpsycho exisitieren in einem völlig eigenständigen musikalischen Universum, dass sie sich in 24 Jahren zurechtgezimmert haben. Sie sind unantastbar in dem was sie machen und repräsentieren: die unbedingte Lust, mit jeder Show neue Horizonte zu entdecken und ihre Fans daran teilhaben zu lassen. Verdienter Applaus am Ende – die Band bedankte sich mit tiefen Verbeugungen vor einem dankbaren, euphorischen Publikum.

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