Matthew E. White // live im Gebäude 9 // Countryrock-Soul in Funky Town

Matthew E White on entertaim.net

Gebäude 9, 17.04.2013 von Martin Hannig, Bild Domino Records

Matthew E. White aus Virginia/USA – die Journaille stand ob seines überragenden Debuts „Big Inner“ überall Kopf, die Foren rauschten, und plötzlich war er da, im gut gefüllten Kölner Indie-Schuppen Gebäude 9. Erwartungsfroh und relaxt harrte man der Dinge, die da kamen. Und sie kamen gut. Überzeugte seine Platte vor allem durch ein reduziertes Soul-Gospel-Feeling, brachte er nach Europa seine 5köpfige Band mit – Percussion und Steel Guitar inclusive.

Der langmähnige Hippie-Vollbart White machte glücklicherweise nicht den Fehler, sein Album 1:1 auf die Bühne bringen zu wollen. Im Gegenteil: es ging organischer, teilweise bluesrockiger vor als man erwarten durfte. Ziemlich am Anfang – nach dem entspannten reggaeinfizierten Opener „Will You Love Me“ – kam der alte Waylon-Jennings-Kracher „Are You Ready For The Country“ zu Ehren, den man eigentlich ja nur von Neil Young kennt. Hier packte Matthew White dann schon mal seine bluesgetränkte Southernrock-Gitarre aus. Natürlich waren wir ready für die Landpartie durch den amerikanischen Süden!

Weiter ging es mit überraschend im 70er-funky-style gespielten Songs seines Albums, bei denen sich Stevie Wonder und die Neville Brothers die Hand gaben. Dass das ganze sogar tanzbar war, hätte man von White ja gar nicht erwartet. Spätestens beim psychedelisch flirrenden Randy-Newman-Cover „Sail Away“ wurde die Brillanz dieser Band deutlich. Vorher erzählte Matthew noch, wie er mal bei Randy zu Hause anklingelte – doch der Meister war leider nicht da… Überhaupt war White, wie er wenig später kundtat, sehr angetan, dass so viele Leute an einem Freitagabend, der doch so viele andere Ausgehmöglichkeiten bietet, zu ihm ins Konzert kommen – er bedankte sich mehrfach bei seinem Publikum, was dieses mit warmen Applaus quittierte.

Während die wunderbar aufspielende Band sodann stilsicher und stets funky durch die Genres flitzte, konnte Matthew sich entspannt zurücklehnen, seine Strophen ins Mikro murmeln, und ab und zu mal ein kleines Solo spielen. So tiefenentspannt kam selten ein Musiker ins Gebäude 9. Und wahre Magie dann beim letzten Song „Brazos“ – die Coda dieses Songs ist das mehrminütige Gospelmantra „Jesus Christ/ Is our Lord/ Jesus Christ/ He is your friend“- aber nicht schlafmützig wie weiland Bob Dylan in seiner Reborn-Phase, sondern endend in einem wahrhaften musikalischen Rausch, bei dem Matthew seine Gitarre auf den höchsten Tönen bearbeitete. Ein toller Abschluss, ein großer Künstler.