Benstar Media / Blick hinter die Kulissen einer TV-Produktionsfirma

Benstar Media

Köln. „Mieten, Kaufen, Wohnen“ ist nur eine der zahlreichen Produktionen aus dem Hause Benstar Media. Fernsehen – das bedeutet einerseits Faszination und Unterhaltung, andererseits gibt es natürlich auch Medienkritik hinsichtlich der Verflachung des Niveaus, insbesondere beim Format der sogenannten „Scripted Reality“.  In den Kölner Büroräumen der TV-Produktionsfirma Benstar Media traf ich die beiden Geschäftsführer Nathalie Suthor und Ralf Schreier, um über die aktuelle TV-Landschaft in Deutschland zu plaudern.

Interview: Dennis Rowehl / Fotos mit freundlicher Genehmigung von Benstar Media

entertaim.net: Nathalie, kannst du eure Firma kurz vorstellen? Welche Sendungen und Projekte produziert ihr?

Nathalie: Wir sind eine unabhängige TV-Produktionsfirma und beliefern verschiedene private und öffentlich-rechtliche Sender,  zurzeit insbesondere VOX und RTL, RTL2 … z. B. „Mieten, Kaufen, Wohnen“ oder „Punkt 12“, wir produzieren aber auch Beiträge für ZDF, Pro7, KIKA oder sogar für das österreichische Fernsehen.

entertaim.net: Wie bist du überhaupt zum Fernsehen gekommen?

Nathalie Suthor: Ich wollte schon immer zum Fernsehen, seitdem ich 16 war … nicht vor der Kamera, sondern dahinter … ich wollte in die Regie oder als Redakteurin arbeiten. Nach dem Abi habe ich auf Magister Germanistik und Philosophie studiert, habe aber nebenbei begonnen, beim WDR und bei der Deutschen Welle zu arbeiten, anfangs in der Pressestelle. Dann erwischte ich einen günstigen Zeitpunkt, als sich Bärbel Schäfer für ihre Talkshow selbstständig machte und ihre eigene Produktionsfirma gründete. Ich habe mich beworben und bin auch eingestellt worden. Schließlich habe ich viele Jahre freiberuflich als Autorin und Redakteurin für verschiedene Sendungen gearbeitet. 2009 habe ich mit Ralf (Schreier) den Sprung gewagt und wir haben Benstar Media gegründet.

entertaim.net: Wenn man beruflich damit zu tun hat, Fernsehen zu produzieren, setzt man sich sicherlich auch mit der Entwicklung des Fernsehens auseinander … ich denke da an „Trash-TV“, „Hartz IV-TV“, daran, ob das Fernsehen immer niveauloser wird. Befindet man sich da als Produktionsfirma nicht im Zwiespalt, einerseits Geld verdienen zu müssen und andererseits kritisch zu betrachten, was man produziert und was vielleicht lieber nicht?

Nathalie Suthor: Das ist eine wichtige Entscheidung als TV-Produzent und darüber diskutieren wir intern viel. Was für Sendungen möchten wir produzieren? Was sind unsere ethischen Grenzen? Wie gehen wir mit denen um, über die wir berichten? Bis heute gibt es gibt niemanden, mit dem ich mal gedreht habe, der mir jetzt nicht mehr die Hand geben würde! Mit anderen Worten: Wir werden niemals irgendjemanden vorführen und der Lächerlichkeit preisgeben. Es spielen also sehrwohl auch moralische Gesichtspunkte eine große Rolle.

Nathalie Suthor und Ralf Schreier

entertaim.net: Würdet ihr also keine B- oder C-Promis drehen, die irgendwelche Peinlichkeiten machen?

Nathalie Suthor: Ich kenne keinen dieser „Prominenten“, die sich nicht dessen bewusst sind, was sie machen. Sie sind sich alle der Tragweite und der Konsequenzen  bewusst. Die machen das freiweillig, weil sie ihre Bekanntheit vergrößern wollen und nehmen peinliche Situationen in Kauf. Bei anderen „normalen“ Menschen ist es etwas komplett Unterschiedliches. Es gibt ja auch Produktionsfimen, die solche Menschen zu Peinlichkeiten animieren, diese darin bestärken und anschließend mit Kommentaren lächerlich machen. Das ist für uns ein absolutes No-Go. Wir nehmen uns als Produktionsfirma  dann die Freiheit, zu entscheiden, welchen Auftrag wir annehmen und welchen nicht. Zu unseren Kunden gehören nicht nur Fernsehsender, sondern auch Firmen, die zum Beispiel Imagevideos in Auftrag geben. Man muss nicht auf jeden Zug aufspringen, denn unser Tätigkeitsfeld ist weit gefächert, somit werden wir in Zukunft auch weiterhin nur Produkte abliefern, zu denen wir auch stehen.

entertaim.net: Was ist auch nach den vielen Jahren Erfahrung in der TV-Branche immer noch eine positive Herausforderung?

Nathalie Suthor: Mich faszinieren immer wieder die Menschen, mit denen ich zusammenarbeite und über die ich berichte. Der Millionär, 5-Sterne-Koch, Currywurstbudenbesitzer … ich quatsche gern, bin neugirig auf deren individuelles Leben, bin froh, an deren Leben für einen Augenblick teilhaben zu können und erzähle gerne deren Geschichte. Das macht mir immer wieder sehr viel Spaß und fasziniert mich.

Ralf Schreier: Das Fernsehen ist ja immer noch das virtuelle Kaminfeuer, um welches sich Menschen versammeln, um unterhalten zu werden. Mit diesem Medium lassen sich immer noch sehr viele Menschen erreichen und das ist immer noch ein großer Reiz. Hinzu kommt, dass wir ja ein echtes Handwerk betreiben und etwas produzieren bzw. herstellen .. so wie ein Maurer … und wenn man jedes Mal das fertige Produkt sieht, ist man stolz, etwas Sichtbares geleistet zu haben … und wenn dieses Produkt dann noch von unzähligen Personen im Fernsehen gesehen wird, ist das natürlich noch großartiger.

entertaim.net: Aber ist es nicht langweilig, weil immer nur das Gleiche im Fernsehen läuft?

Ralf Schreier: Die Privatsender arbeiten nach wirtschaftlichen Kriterien und da zählen nun mal die Einschaltquoten, nach denen sich auch die öffentlich-rechtlichen Sender in sehr starkem Maße ausrichten. Was nicht geschaut wird, wird oft vom Sender gestrichen. Aber warum so viele ähnliche Sendungen laufen?  Ich habe da ein simples Beispiel, um die Situation zu verdeutlichen. Wenn du einen Radiosender gründest und damit Geld verdienen musst …. welche Musik spielst du? Chartmusik, oder? Man kann sich nicht komplett davor verschließen, das zu spielen, was die meisten Personen wollen. Wir versuchen natürlich immer neue Ideen zu entwickeln, die noch nicht hundert Mal gelaufen sind. Auf der anderen Seite sind wir Unternehmer und produzieren solche Formate und Sendungen, die bei den Sendern ankommen und welche die dann bei uns bestellen.
entertaim.net: Was würdet ihr euch für das Fernsehen wünschen?

Nathalie Suthor: Mehr Experimentierfreude. Wenn ein bestimmtes Format bei einem Sender funktioniert, dann machen die anderen es nach und somit besteht natürlich die Gefahr einer Art Monokultur. Es wäre schön, wenn man es wagen würde, neue kreative Ideen und Formate umzusetzen, auch wenn die Einschaltquoten am Anfang ausbleiben, weil die Leute noch nicht reif für diese Ideen sind.

entertaim.net: Gibt es in eurer Vergangenheit ganz besondere Anekdoten oder Highlights, an die ihr Euch besonders erinnert?

Nathalie Suthor: (Pause) Puh, da gibt es echt eine Menge, allein schon aus der Zeit, als ich als Redakteurin bei RTL gearbeitet habe. Ich habe zum Beispiel im Kongo an einer Reportage, in der es um Kindersoldaten ging, gearbeitet. Da bin ich in einem UNICEF-Transporter mitgefahren und der Fahrer hat regelmäßig unsere Position durchgegeben …. du kannst dir schon denken, wieso …da hat man schon ein mulmiges Gefühl. Oder … ich war mit Millionären in China unterwegs … also Multimillionäre im kommunistischen China … da sind wir dann durch eine ländliche, ärmliche Gegend gefahren und plötzlich taucht da wie aus dem Nichts ein kompletter Nachbau von Versailles auf … in Originalgröße … vollkommen absurd .. dann treten dort im privaten Kreise noch amerikanische Entertainer auf, die vollkommen betrunken waren … (lacht). Bei meinen letzten Dreharbeiten in Miami mit Annina Ucatis und Lars Vegas (Annina goes Miami für RTL2) sind wir ausgeraubt worden und wurden plötzlich zum Thema in den Medien von Miami … auf einmal stehn wir vor der Kamera und berichten über den Raub … naja, es wird niemals langweilig.

entertaim.net: Wann wird diese Doku ausgestrahlt?

Nathalie: Einen konkreten Termin gibt es noch nicht, aber wir fliegen im März erneut nach Florida, um die Fortsetzung zu drehen. Da werden wir unter anderem Lars Vegas bei den Dreharbeiten zum Film CAPRIKORN begleiten, zumal Annina eine kleine Gastrolle bekommen hat. Das wird wieder ein interessantes Thema.

entertaim.net: Dann bedanke ich mich bei euch beiden und hoffe auf eine weiter ereignisreiche Zeit.

Nathalie Suthor: Vielen Dank.

Ralf Schreier: Es wird auf jeden Fall nie langweilig (lachend)

Benstar Media Interview auf Entertaim.net

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