The Black Sheep / Englische Texte, China und der Blick nach vorne

Black Sheep by Dennis Rowehl on entertaim.net

Köln. Unter der Flagge von Roadrunner starteten 4 Mädels ihre Karriere und dann kam doch alles (etwas) anders … Roadrunner Deutschland verabschiedete sich (aus Köln) und damit auch der Plattenvertrag … und dabei befand sich das zweite Album bereits in Planung und Vorbereitung. Veränderungen der Rahmenbedingungen ziehen teilweise auch Veränderungen in der Konstellation nach sich und somit  veränderte sich neben Johanna und Charly Klauser 50 Prozent der Band, mit der man übrigens das zweite, bisher noch unveröffentlichte Album aufnahm … Ich sprach mit Gitarristin Johanna über die Zukunft der Band.

Interview/Story und Bilder: Dennis Rowehl

Das neue Album

entertaim.net: Wann oder unter welchem Label werdet Ihr euer zweites Album herausbringen?

Johanna Klauser: Das kann ich dir leider noch nicht genau sagen. Unser Label Roadrunner hat leider die Aktvitäten in Deutschland eingestellt und somit hat sich unser Plattenvertrag gewissermaßen erledigt. Wir haben mit Leuten von Majors gesprochen … und auch mit einigen kleinen Labels, die uns aber leider nicht die Unterstützung zusagen konnten, die wir gerne hätten. Ein paar CDs eintüten und zu Redaktionen schicken, das können wir dann auch noch (lacht). Wir brauchen schon ein Label, das auch Interesse daran hat, uns auf Tour zu schicken und uns bei Marketingangelegenheiten zu unterstützen.

entertaim.net: Ihr habt ganz gut mit der Band YOUR ARMY harmoniert, hat deren Label Intono nicht Interesse an der CD?

Johanna: Wir sprechen tatsächlich gerade mit Intono … mal sehen, was sich ergibt.

entertaim.net: Musikalisch merkt man den Ehrgeiz und die Weiterentwicklung, insbesondere bei den Feinheiten innerhalb der Songs. Insofern habt Ihr da einen großen Sprung gemacht. Vom Stil ist es alles ein wenig runder und kommerzieller geworden. Würde es da vielleicht nicht sogar Sinn machen, auf Deutsch zu singen, um leichter ins Radio zu kommen?

Johanna: Diese gesamte Diskussion hatten wir bereits vor unserem Debütalbum … es gibt viele Gründe, die dafür sprechen oder auch dagegen. Wir haben uns für die englische Sprache entschieden und wollen das auch beibehalten. Was den Musikstil betrifft, ist es richtig, dass wir nicht mehr so rauh klingen wie ganz zu Beginn, das hat aber nichts damit zu tun, einen kommerziellen Durchbruch erzwingen zu wollen, sondern damit, dass wir diese Art von Musik auch selbst hören und eigentlich nur das machen, was uns gefällt.

entertaim.net: Wer hat das Album geschrieben?

Johanna: Die Songs für das aktuelle, unveröffentlichte Album stammen alle aus der Feder von Charly und mir. Das liegt aber daran, dass die Songs bereits geschrieben waren, als Katja (Stoffels) und Claudia (Lippmann) zur Band stießen. In Zukunft werden sich wohl alle am Songwriting beteiligen.

Ziele

entertaim.net: Charly und du seit in diversen Projekten involviert und euer sonstiges Arbeitsleben hat sehr viel mit Musik zu tun …. Gitarrenlehrerin etc. Der Traum eines jeden Musikers bzw. einer Musikerin ist sicherlich, komplett davon leben zu können. Was sind die Ziele mit Black Sheep?

Johanna: Immer einen Schritt weiter zu kommen … solange wir das Album noch nicht veröffentlicht haben, ist es mit dem Booking auch schwierig … das bedingt sich alles, aber im Grunde sind wir stolz darauf, dass wir uns ständig weiterentwickeln. Ein paar Festivals wären super. Was die kleinen Venues betriff, sind wir unsere eigenen Booker, für die großen Events bräuchten wir schon professionelle Unterstützung, denn alles kann man zeitlich leider nicht schaffen.

CHINA

entertaim.net: Ich erinnere mich daran, Bilder von euch auf chinesischen Musikmessen gesehen zu haben …. irgendeine Endorsement-Geschichte, oder was war das noch genau?

Johanna: Korrekt. Für Monkey Banana … Boxen, Monitore etc. Wir haben die Verantwortlichen in Frankfurt auf der Musikmesse kennen gelernt und die haben Charly und mich auf die Musikmesse in Peking eingeladen. Da haben wir auch einige unplugged-Auftritte gemacht. Das war schon sehr aufregend. Anschließend folgte unsere Anwesenheit in Shanghai. Wir hoffen, dass wir in diesem Jahr als komplette Band eingeladen werden. Es ist immer schwierig, vor einem kaum Englisch sprechenden Publikum zu erklären, dass wir eigentlich ein Quartett und keine Duo sind (lacht). Die Resonanz war ziemlich gut, deshalb hoffe ich, dass wir als komplette Band dort auftreten können.

entertaim.net: China ist medientechnisch schon sehr abgeschottet. Wie waren eure Erfahrungen … gibt es dort eine Szene für Rockmusik?

Johanna: Schon, die Leute sind offen für neue Ideen und es gibt eine Menge Rockmusiker, die wir dort kennengelernt haben. Konzerte oder ähnliches außerhalb der Messe haben wir nicht besucht, daher kann ich dazu nicht viel sagen, aber das Land befindet sich schon in einem Umbruch und ist offen für neue westliche Musik, auf der anderen Seite schwebt man auch noch in der Vergangenheit. Wir waren zum Beispiel in einem Kaufhaus und dort dudelte das Debütalbum von Britney Spears rauf und runter … und das ist ja auch schon ein paar Jahre älter.

entertaim.net: Habt Ihr daran gedacht, einen Song in chinesischer Sprache zu singen?

Johanna: (lacht) Das ist eine so schwierige Sprache, ich denke, das geht nicht!

entertaim.net: Wie waren sonst so eure Erfahrungen in China?

Johanna: Grundsätzlich sehr positiv. Wir haben die Verbotene Stadt besucht, viele neue Kontakte auf der Messe getroffen. Aber auf der anderen Seite haben wir auch eine Menge Gegensätzliches gesehen. Kinderarbeit zum Beispiel. Als wir in einem Gewerbeviertel auf unseren Transport gewartet haben, mussten wir mit ansehen, wie ein Vorarbeiter Kinder angebrüllt hat, weil die gerade eine Pause machten. Die Gegensätze sind schon sehr krass. Außerdem wollten uns Taxifahrer, weil wir eben keine Chinesen waren, abziehen …. Kapitalismus pur. Der Unterschied zwischen arm und reich ist enorm und vieles, was wir gesehen haben, wird in den Medien so nicht gezeigt.

entertaim.net: Johanna, vielen Dank für diese Eindrücke …  und alles Gute mit dem Album …

Johanna: Danke!

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