Godspeed You! Black Emperor / ‚Allelujah! Don’t Bend! Ascend! / Constellation

Godspeed You! Black Emperor / 'Allelujah! Don't Bend! Ascend! / Constellation

Das vierte Studio-Album der kanadischen Postrock-Experten von GODSPEED YOU! BLACK EMPEROR darf nach fast 10jähiger Auszeit als heißer Willkommensgruß an alle Postrock-Adepten gelten. Unzählige Bands machten sich in den letzten Jahren auf, dem Geheimnis des Soundgewitters von GY!BE  auf die Spur zu kommen, einige scheiterten grandios, einige ließen aufhorchen. Nun also melden sich die Geheimnisumwitterten mit ‚Allelujah! Don’t Bend! Ascend! zurück.  Ein Monolith von einem Album! Gleich das erste Stück, eine 20minütige Exkursion in die Untiefen des Godspeed-Kosmos, garniert von furios aufspielenden orientalischen Streichern, läst den Hörer tief versinken in diese Parallelwelt. Warum heißt dieses Stück aber nun „Mladic“, remember the bosnische Kriegs-General? Und warum hören wir am Ende lärmende Demonstranten in Montreal? Irgendwie scheint alles politisch an GY!BE zu sein – sicherlich hat sich da jemand Gedanken gemacht… Die 2 je 20 Minuten langen Hauptwerke dieses Albums (die eigentlich Updates von 2 älteren Live-Stücken sind) bringen all das Vertraute wieder, was man an dem Kollektiv seit jeher mag (oder auch nicht): die bedrohliche anschwellende Intensität, die dann wieder abnimmt, das Fehlen fester Songstrukturen, die wie aus der Improvisation geborenen Gitarren-Lärmwände, die dieses Mal noch viel rauer, intensiver und auch irgendwie böser klingen als auf dem letzten Album; die aus Schönheit erwachsenden Gitarren- und Streicherwände, die schlussendlich im anarchischen Chaos versinken. Hier manifestiert sich die Rebellion gegen die bestehenden hyperkapitalistischen System-Verhältnisse in verstörender Intensität; wenn man die explizit politischen  Einstellungen der Band kennt, versteht man auch die zerstörerische Kraft dieser Kompositionen. Zusammen mit den zwei „kürzeren“ Drone-Experimenten ergibt diese Platte eine hypnotische Séance, die sich bei Lautstärke 10 in die Gehirnwindungen brennt und einen verwundert zurücklässt. Das so was heute noch möglich ist: ein Verdienst von GODSPEED. Sie sollten sich mal wieder live in Europa blicken lassen, um die Revolution anzuheizen….

4/5

Redakteur: Martin Hannig

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