KROKUS / Vintage Rock / Older but wiser

Krokus - ntertaim.net - Interview mit Chris von Rohr

KROKUS. Sie kamen mit wenigen Akkorden aus und waren eine der wenigen Bands aus der GSA, die national in der Schweiz, als auch international riesige Erfolge feierten und den Aufstieg des Metal bis zum legendären Rock Pop in Concert Heavy Metal Special von 1983 miterlebten und ebenso zum Aufstieg beitrugen. Dann aber folgte der Ritt durch Irrungen und Verwirrungen, durch eine Zeit, die durch Line-up-Wechsel, Streitigkeiten, Auflösungen und zahlreiche Comebacks geprägt war. Doch nun, seit 2012 sind Krokus beinahe wieder in der Ur-Besatzung zurück und Chris von Rohr berichtete entertaim.net von der aufgearbeiteten Vergangenheit und dem Neustart der Band, die Anfang der 80er Kultstatus erreichte.

Interview: Dennis Rowehl / Pressefoto mit freundlicher Genehmigung von Oktober Promotion

entertaim.net: Ich muss zugeben, dass meine erste Metal-Platte „Metal Rendez-vous“ gewesen ist, somit ist es natürlich schon sehr cool, anlässlich des Krokus-Comebacks beinahe in der Originalbesetzung ein Interview mit Dir zu führen …

Chris von Rohr: „Metal Rendez-vous“ war dein erstes Metal-Album? Das war natürlich nicht die schlechteste Wahl … (lacht)

entertaim.net: Dabei fällt mir ein … Euer Debüt-Album „Pay it in Metal“ ist auf CD nicht erhältlich? Wird es mal ein Re-Release geben?

Chris von Rohr: Das wird sicher noch kommen. Die anderen Alben sind ja auch alle erhältlich …

entertaim.net: Ich habe kürzlich das Rock Pop in Concert Heavy Metal Special von 1983 gesehen, bei dem Du damals ja leider nicht mehr dabei warst und da fielen mir natürlich deine Worte aus deiner Biografie „Hunde wollt Ihr ewig rocken“ zu diesem Kapitel ein …

Chris von Rohr: … das war sicherlich einer der härtesten Momente in meinem Leben und wenn man zurückdenkt, dass man bei diesem legendären Konzert nicht dabei sein konnte, ist das sehr bitter. Vor allem war es eine absolut sinnlose Trennung aufgrund von Intrigen und Sabotagen des damaligen Managements. Als ich dann nach den beiden ruhmlosen Alben „Change …“ und „The Blitz“ zurückkam, fand ich eine tote Band vor und ich habe versucht, mit dem Album „Heart Atack“ zu retten, was noch zu retten war … aber leider war es zu dem damaligen Zeitpunkt zu spät. Mit dem aktuellen Line-up und der Unterstützung von Mandy Meyer haben wir wohl das stärkste Line-up überhaupt. Was uns jetzt noch fehlt, ist ein echter Wahnsinnsdrummer …

entertaim.net: Ist Freddy Steady nicht mehr dabei?

Chris von Rohr: Nein, aus beruflichen Gründen klappt das nicht mehr. Auf jeden Fall ist der Drummer in der heutigen Zeit unglaublich wichtig geworden, der Helloween-Drummer hat bei uns jetzt live ausgeholfen, aber wir brauchen natürlich ein festes Mitglied, einen Vollprofi in der Band …

entertaim.net: Ich bin Drummer (lachend) …

Chris von Rohr: … ja, aber wir haben da schon jemanden in der engeren Auswahl (lacht).

entertaim.net: Aber noch mal auf das Comeback zurück zu kommen …. in deinem Buch „Hunde wollt Ihr ewig rocken“ war ja von dem angespannten Verhältnis zwischen den einzelnen Bandmitgliedern die Rede. Wie kam es denn nun eigentlich zu der Versöhnung?

Chris von Rohr: Fernando und ich leben in derselben Stadt und nach den vielen Jahren haben wir und getroffen und uns gesagt: So kann es doch mit Krokus nicht enden! Schließlich haben wir großartige Zeiten gehabt … und dann haben wir uns lange, lange zusammengesetzt und die Vergangenheit aufgearbeitet. Man kann den alten Zeiten hinterhertrauern oder offen darüber reden, was gut war und was einem am anderen gestört hat. Diese Ego-Spiele hat man im Alter ja wirklich nicht mehr nötig. Und in diesen ganzen Gesprächen sind uns natürlich auch die viele Intrigen und Machtspiele des alten Managements aufgefallen, warum damals viele Sachen so unschön gelaufen sind …

entertaim.net: … und wie sieht’s mit Marc aus? Da gab es doch das Phänomen LSD … Lead Singer Disease …?

Chris von Rohr: Nachdem Fernando und ich im Reinen war, haben wir natürlich auch mit Marc die Differenzen aus der Vergangenheit aufgearbeitet. Und jetzt geht’s wieder richtig los mit Krokus. Die ersten Shows liefen alle sehr gut und wir planen jetzt die Tourneen. Deutschland, Japan …

entertaim.net: Ich geh davon aus, dass Ihr hauptsächlich die Klassiker spielen werdet, oder?

Chris von Rohr: Wir spielen ausschließlich Songs von der „Metal Rendez-vous“, „Hardware“, „One vice at a time“, „Headhunter“ und von den beiden aktuellen Alben „Hoodoo“ und „Dirty Dynamite“. Beim neuen Album sind wir unserem Stil im Bereich Vintage-Rock treu geblieben. Wir waren immer sehr blues-orientiert und lieben die Einfachheit, mit wenigen Akkorden zu rocken. Die Schwierigkeit liegt ja auch darin, mit einfachen Elementen Druck aufzubauen und die ersten Shows haben gezeigt, dass wir besser denn je sind und das Publikum zum Kochen bringen können. Marc hat immer noch eine phantastische und kraftvolle Stimme. Das müssen andere erst einmal nachmachen.

entertaim.net: Was wäre euch denn lieber … Support von Bands wie … sagen wir mal … AC/DC oder lieber als Headliner oder eine Doppel-Headliner-Tour mit Bands wie Def Leppard?

Chris von Rohr: Als Headliner ist natürlich immer besser, aber wenn wir als Support spielen, ist das auch okay … wir brauchen uns vor niemandem verstecken.

entertaim.net: Chris, ich danke dir für das Gespräch, vielleicht sehen wir uns, wenn ihr dann in der Nähe spielt.

Chris von Rohr: Alles klar. Bis zum nächsten Mal