Extrabreit / Helden der Orientierungsstufe Teil 1

Extrabreit by Dennis Rowehl

Kai Havaii ist einer der Gründungsmitglieder von EXTRABREIT – sie gelten als Legende der sogenannten Neuen Deutschen Welle und eine der wenigen deutschen Bands, die seit Ende der 70er kontinuierlich weitergemacht haben. Sich einen Dreck scherend um musikalische Moden spielen DIE BREITEN nach dem Lustprinzip hier und da auf, um dem geneigten Fan eine dermaßen volle Punk’n’Roll BREITseite um die Ohren zu hauen, dass man sich freut, hernach heil und ohne Hörsturz nach Hause zu gehen. EXTRABREIT treten immer wieder an, um die alten unzähligen Gassenhauer so frisch zu verpacken, dass jede Nachwuchsband sich warm anziehen muss. Da auch ab und an neue Alben veröffentlicht werden, die sich nicht verstecken müssen, kann der Band sogar Kreativität über drei Jahrzehnte zugesprochen werden. Wo gibt’s das noch? Wir trafen Extrabreit-Legende KAI HAVAII kurz vor dem Jahresausklangs-Gig der Weihnachts-Blitz-Tournee im Kölner Underground am 28.12.2012.

Interview von Martin Hannig und Dennis Rowehl / Fotos: Dennis Rowehl

entertaim.net: Kai, einer der Helden der Orientierungsstufe! Es ist uns ein besonderes Vergnügen mit dir sprechen zu dürfen. Ich habe damals das „Welch ein Land, was für Männer“-Album geschenkt bekommen als Teenie, und bin seitdem immer am Ball geblieben. Ich glaub, ich bin einer der wenigen, der die „Sex after 3 Years In A Submarine“ damals auf Vinyl gekauft hat….

Kai: (lacht) Ja das kann gut sein.

entertaim.net: In diesem Jahr habt ihr ja nur ein paar wenige Gigs gespielt. Wie würdest du das Jahr 2012 abschließend für dich beurteilen?

Kai: Eigentlich ganz gut, es war kein schlechtes Jahr. Ich fühl mich ganz wohl, Klopf auf Holz, und mit der Band zu spielen ist auch wunderbar. Du hast recht, wir haben nicht so viel gemacht dieses Jahr, wir haben uns entschlossen etwas kürzer zu treten und nicht mehr alles zu machen.

entertaim.net: Für euch ist es ja vor allen ein Spaß-Ding….

Kai: Ja sicher. Klar gibt‘s auch finanziell für uns was zu holen. Aber wir spielen mittlerweile nur noch dort, wo wir wirklich wollen.

entertaim.net: Es gibt ja auch diese größeren Shows, die 80er-Jahre-Shows, wo dann ganz viele Interpreten von damals auftreten.

Kai: Ja, das haben wir ein paar Mal gemacht, so vor 10 Jahren, da wurde uns viel Geld geboten. Wir haben dann aber gemerkt, dass das alles nicht zusammenpasst, die ganzen Playback-Acts und dann wir. Wir sind halt ’ne Rockband, da ging die Schere zu weit auseinander. Das war für die Leute, die dort hingingen, auch nichts; die wollten schöne nette niedliche NDW hören und dann kamen wir, das hat keinen Spaß gemacht.

entertaim.net: Hab ich euch nicht auch mal bei so’ner Charts-Show gesehen, bei Oliver Geissen oder so?

Kai: Ach ja sicher, das macht man so nebenbei. Da hat man ein bisschen Publicity durch, dann ruft auch mal ein Veranstalter an und sagt: „Ah hömma Jungs“ – damit ruft man sich auch ein bisschen in Erinnerung.

entertaim.net: Ich hab grad auf dem Weg hierher nochmals in deinem Buch „Hart wie Marmelade“ geblättert und ein paar Szenen gelesen. Das ist ja ziemlich witzig geschrieben, und da sind ja schräge und unglaubliche Sachen passiert damals. Und es wird auch von dir sehr ungeschminkt über all die dunklen Seiten geschrieben, die der Ruhm bei dir mit sich brachte. Du wirst als EXTRABREIT-Sänger ja sehr häufig auf die Vergangenheit angesprochen. Ist das für dich eigentlich ein Problem?

Kai : Ich hab darüber ja schon oft gesprochen, ich war ja auch bei Markus Lanz in der Talkshow. Letztens auch in Berlin, da hatten wir eine längere Radiosendung, und natürlich ist es so, dass man immer und immer wieder auf die Drogenvergangenheit zu sprechen kommt. Das ist auch ok, ich hab ja ganz freimütig in meinem Buch darüber geschrieben, aber irgendwann ist auch der Punkt erreicht, wo man sagt, das muss ich jetzt nicht zum 1000. Mal erzählen…

entertaim.net: Man kann’s ja alles nachlesen…

Kai: Ja genau. Ein paar Fragen dazu, aber dann reicht das auch.

entertaim.net: Wir sind ja auch mehr an der Musik interessiert. Da stellt sich für uns immer die Frage, wie es sein kann, dass die ersten 3 Alben, die ja legendär sind, so extrem unterschiedlich klingen. Vom doch eher punkigen ersten Album, dann das doch sehr garagige düstere zweite Album, in dem die Gitarren z.B. total anders klingen, fast trashig, und dann das total aufgemotzt und fett klingende dritte Album. Dabei sind die ja in nur 3 Jahren entstanden.

Kai: Ok, das erste Album war halt so, wie die Alben damals klangen. Die Wahrheit ist: wir hatten uns damals gar nicht so viele Gedanken darüber gemacht. Wir hatten einen Toningenieur, mit dem wir immer zusammengearbeitet haben, der hatte die eine oder andere Idee. Wir hatten da aber nicht so einen Plan: Die Platte muss jetzt so und so klingen, das war einfach so, das hat sich so ergeben.

entertaim.net: Es gab ja auch große Unterschiede im Songwriting und in den Themen.

Kai: Ja, die erste ist noch so frisch und frei nach vorne. Dann ergab sich vieles durch die damalige Situation, was so passiert ist, das hat mich natürlich beeinflusst. 1981, als wir „Welch ein Land“ machten, gab es auch vorherrschend so ein Gefühl von Großstadtparanoia und Düsterkeit. Das wollten wir halt umsetzen. So hatten sich die Songs entwickelt und mit den Songs hat sich auch der Sound entwickelt ohne dass das irgendwie am Reißbrett geplant wurde.

entertaim.net: Wie sieht das eigentlich mit den Rechten aus? Es gibt ja tausend Compilations von euch, aber die ersten drei Scheiben sind doch auf CD nicht erhältlich; ich hab die zumindest bisher nur auf Platte.

Kai: Die ersten beiden sind schon erschienen auf CD, aber es kann sein, dass die vergriffen sind. Es gab damals eine für unsere Verhältnisse kleine Auflage von 5000 Stück 1982, das war auch ein kleines Experiment. Weil diese CDs eben nie wieder aufgelegt worden sind, werden die z.B. bei ebay für verrückte Summen gehandelt.

entertaim.net: Ich habe versucht, die „Rückkehr“ auf CD zu kaufen, aber keine Chance.

Kai: Dazu Folgendes: Die Rechte für die ersten Platten liegen inzwischen bei Universal, die sind nach mehreren Stationen auf die übergegangen. Die haben sich dann entschlossen, irgendwann die ersten beiden aufzulegen, aber die dritte nicht, aus welchen Gründen auch immer. Wir haben uns da mal hintergeklemmt: „Warum macht ihr das nicht? Oder noch besser: Warum macht ihr nicht mal so eine Box, richtig gut aufbereitet mit viel Material?“ Aber wie das so ist bei großen Konzernen, dann haben die natürlich auch immer gerade größere, wichtigere Themen. Die Leute, die da sitzen zeichnen sich ja auch nicht durch eine besondere Affinität zur Musik aus…

entertaim.net:.. und schon gar nicht zu Extrabreit…

Kai:… das ist echt eine ärgerliche Sache und sehr schade. Ich fänd’s gut, wenn man mal eine schöne 3er Box macht.

Fortsetzung: https://entertaimnet.wordpress.com/2013/01/10/extrabreit-helden-der-orientirungsstufe-teil-2/

Extrabreit auf entertaim.net

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