Krokus / Dirty Dynamite (Sony Music)

Krokus-Review on entertaimnet

Zu meinen ersten Metal-Alben gehörte „Metal Rendez-vous“ von Krokus, sodass diese Band mich schon irgendwie geprägt hat. Komischerweise habe ich erst kürzlich mit einigen Freunden das legendäre 1983er-Rock Pop in Concert Heavy Metal-Special gesehen, bei denen auch Krokus neben Maiden, Def Leppard, Quiet Riot, Ozzy, Priest etc. vertreten waren und da fiel einerseits einer meiner Kollegen das Statement, Krokus sei eine Plagiat-Band und Abklatsch von AC/DC. Mmhh, für mich als alter Krokus-Fan natürlich eine harte Kost, aber retrospektiv musste man durchaus zugeben, dass Krokus verglichen mit Quiet Riot, Maiden und Def Leppard an jenem Abend zu den etwas schwächeren Acts dieses Metal-Kultfestivals gehörten … insbesondere das Raubtier-Tank-Top von Sänger Marc Storace … äußerst grenzwertig. Nach Aussagen von Chris von Rohr in seinem Buch „Hunde, wollt ihr ewig rocken“ behauptete er anlässlich des Vergleichs mit AC/DC, die Australier hätten nie eine derart geniale Ballade wie „Screaming in the night“ (vom Headhunter-Album) geschrieben … Recht hat er und in der Tat ist „Headhunter“ wohl das stärkste und eigenständigste Album der Schweizer, danach folgte man im Ozean des Rocks treibend aber nicht den Sternen, sondern den Lichtern der vorbeifahrenden Schiffe, sodass man auf einen kommerziellen Zug nach dem anderen aufstieg, um seine Fans vollkommen zu verwirren und zu verlieren (wie mich) und selbst unzählige Line-up-Wechsel und Reunions provozierte, die nicht weniger zur Verwirrungstiftung beitrugen. Und so kopierte man selbst bei einem Track auf dem Rockalbum „Heart Attack“ nach der unglorreichen Kommerzphase schamlos Def Leppard, mit denen man lange zuvor erfolgreich auf Tour war. 4 Kultalben haben Krokus zu verzeichnen, was sie auch irgendwie unsterblich macht: Metal Rendez-vous, Hardware, One vice at a time, Headhunter … aber dann folgt eine Belanglosigkeit einer anderen, bis nun vom Original-Line-up (fast) die Rede war und plötzlich ein neues Album erscheint … na denn, da muss man doch reinhören … aber … meine Geschmacksnerven traf man leider nicht … mehr! Langweilige Songs, schon etwas sehr old school bis altbacken und wenn man bedenkt, wie viele Jahre Erfahrung hier am Start sind, völlig uninspirierend: „Let the good times roll“, so ein Songtitel, aber so bestimmt nicht. Da wird über Klapperschlangenlederboots gesungen … naja … wer’s mag! Es finden sich (damals) zerstrittene Charaktere nach vielen, vielen Jahren wieder zusammen … da hätte man doch eigentlich ein wahres Feuerwerk vermuten können, statt dessen Hard Rock für die Generartion 60 plus. Ohne Bezug zur Band ist dieses Album gewissermaßen verloren und aussagelos / als einstiger Krokus-Fan ist dieses Album ergo etwas desillusionierend, denn während in die Jahre gekommende Bands wie Rush, Maiden, Accept etc. versuchen, sich neu zu definieren, reiten Krokus langweilige Klischees ab und dümpeln so vor sich hin. Irgendwie nicht so der große Bringer für eine Band, die mal echt groß war und den Aufstieg des Metals miterlebt hat. Eine für mich zahnlose Enttäuschung! Aber Geschmäcker sind natürlich verschieden. Ich könnte mir gut vorstellen, dass Krokus live sicher wieder zur alten Stärke zurückfinden werden, aber dann sollte man doch lieber die Classics spielen!

2 / 5

Redakteur: Dennis Rowehl

Link zum Interview: https://entertaimnet.wordpress.com/2013/01/16/krokus-vintage-rock-older-but-wiser/