HELLOWEEN / Das wunderbare Zeitalter des Kürbisses (Interview mit Michael Weikath)

Helloween Interview on entertaim.net

The AGE OF THE PUMPKIN … Sie sind einer der bösesten, lustigsten, besten Bands Deutschlands? Auf jeden Fall einer der erfolgreichsten … und ein Interview mit Michael „Weiki“ Weikath ist immer wieder ein Erlebnis. „Straight out of Hell“ lautet der Name des aktuellen Albums und nachdem sich die Prophezeiung der Mayas – zum Glück – als April- bzw. Dezemberscherz entpuppt hat, beginnt ein neues Kapitel ganz im Zeichen des Kübisses.

Interview: Dennis Rowehl

(Bilder mit freundlicher Genehmigung von Helloween und deren Pressevertretern)

entertaim.net: Hallo Weiki, Ihr habt wieder ein neues Album am Start: „Straight out of hell“ Das letzte Interview hatten wir beide anlässlich dieser Kinderchor-Geschichte und wir sprachen darübr, ob Ihr nicht ein böses Album aufnehmen könnt. Danach folgte mit „7 Sinners“ das böseste und meiner Meinung nach härteste Helloween-Album. Das aktuelle Album ist da wieder etwas zahmer … ?!

Weiki: Naja. Da gehen die Meinung offenbar auseinander. Ich denke auch, dass „7 Sinners“ härter ist, das aktuelle Album hingegen hat mehr Abwechslung. Aber es gibt auch Leute, die das komplett anders sehen … was weiß ich …

entertaim.net: Du lebst immer noch auf Teneriffa und die anderen an den unterschiedlichsten Plätzen. Proben könnt Ihr da ja nicht besonders gut. Schickt Ihr beim Komponieren Soundfiles herum oder wie verläuft das Songwriting?

Weiki: Ja, so in etwa. Wir komponieren und laden diese Files auf einen Internetserver, auf den wir alle dann zugreifen können … irgendwann hatten wir eine abenteuerliche Skype-Konferenz mit allen Beteiligten … Band, Manager, Produzent, was teilweise wirklich sehr absurd war, denn es gab Zeitverzögerungen, Übermittlungsprobleme, teilweise war der Ton komplett weg … solche Dinge … sehr chaotisch im Helloween-Stil .. aber es klappt ja. Man spart so aber viel Zeit; als Musiker machst du ja jede Menge Promotermine, ab und zu musst du irgendwo hinfliegen oder ein Radiointerview geben, da kann man nicht noch irgendwo so lange proben, bis man gemeinsam einen Song geschrieben hat. Außerdem werden die Alben auch immer länger, das macht viel Arbeit, also spart man Zeit, wo man nur kann. Das geht schon.

entertaim.net: Wie feiert man auf Teneriffa denn Weihnachten? Mit Kunstschnee?

Weiki: Wir haben ja auch Berge, da kann es oben schon mal Schnee geben … und hier leben genug Deutsche, dass Weihnachtsstimmung aufkommen könnte. Ich komm ja ursprünglich aus Hamburg und da hab ich von Schnee und Eis die Nase voll. Ich hab’s lieber wärmer. Wir haben ja auch im Winter in Skansinavien gespielt und die Straßen waren komplett vereist. Das ist nicht ganz ungefährlich mit so’nem Tourbus. Da sind schon manche Unfälle passiert, dann bricht sich jemand den Arm, der andere hat Prellungen … also ich habe das kalte Wetter satt.

entertaim.net: Ihr seid in Südamerika tierisch angesagt, da sollte Dir das Wetter sehr entgegenkommen, oder?

Weiki: Naja, kommt darauf an, wo und wann man spielt. Wenn man im Sommer sehr weit im Süden spielt, ist es ja Winter … das ist dann auch nicht so gut. Und wenn’s dann zu heiß ist, bekomm ich noch einen Sonnenstich und dann bin ich ja auch nicht gut drauf. Aber mir gefällt es, wenn man in Brasilien oder so landet, den vollklimatisierten Flughafen verlässt und einem der Schweiß tropfenweise den Kopf runterläuft und man die stickige und stinkende Luft der Großstadt einatmet. Das ist dann ein schönes Gefühl.

entertaim.net: Wenn man seit Jahren so viel auf Tour ist, kann man das irgendwann überhaupt noch toppen?

Weiki: Toppen? Doch, natürlich. Wir haben in Hiroshima gespielt, das ist wunderschön dort, es gibt viele exotische Äffchen und andere süße Viecher. Deshalb haben die damals auch die Atombombe in dieses Paradies geworfen .. psychologisch ganz nach dem Motto: Es ist so schön bei euch, deshalb machen wir das jetzt kaputt, weil wir’s können … Immer dasselbe Spiel in Kriegen. Auf die Frage mit dem Toppen: Man sammelt immer neue Erfahrungen und bekommt unglaubliche Eindrücke … wenn man sich in Mexiko-City aufhält und am Horizont immer noch Häuser zu sehen sind und man sich fragt, wie man sowas organisieren kann und wie sowas überhaupt passiert ist. Oder wir haben in Polen auf dem Woodstock-Festival vor 750000 Leuten gespielt. Wir waren auch damals in Indonesien die erste deutsche Band, 20.000 Leute passten da rein, 60.000 wollten rein und das war unglaublich. Vielleicht, weil’s neu war. Metal, Band aus Deutschland. Irgendwann später ist das den Scorpions auch passiert und die meinten, sie wären die erste deutsche Band in Indonsesien gewesen …. Neee … das waren wir (lacht).

entertaim.net: Hat man bei einem engen Tourplan überhaupt die Zeit, sich die Gegend anzusehen. Einige Bands berichten, sie sehen nur die Venues von innen, reisen an und ab bei Nacht und bekommen so rein gar nichts mit.

Weiki: Das kommt auf den Plan an und ob man Lust hat. In Peking haben sich die anderen die Verbotene Stadt angesehen, nur ich war nicht dabei, weil ich lieber meinen Tee trinken wollte und keine Lust auf diese Tourisachen hatte. Ich bin ein langweiliger Mensch …

entertaim.net: (lacht) Gibt es eigentlich eine besonders schräge Geschichte, die Dir auf Tour passiert ist.

Weiki: Wir waren in Mexiko bei den Pyramiden und ich musste dringend …. austreten … sagt man jetzt, glaub ich …. das Wort mit dem p darf man in der Öffentlichkeit nicht sagen, hab ich gehört … und eigentlich wollten wir die Pyramiden besteigen und ich hab mir gedacht, was ist, wenn ich da oben bin und es immer dringender wird … Rockstars sind leider keine Götter und können sich gewisse Sachen nicht ewig verkneifen … also musste ich wieder 15 Minuten zurücklatschen und als ich wieder kam, war der Reiseführer mit den imposanten Geschichten fertig …

entertaim.net: Glaubst Du eigentlich an Außerirdische?

Weiki: Ja klar … und jetzt halten mich die Leser für total bescheuert! Natürlich kann man am Computer Bilder mit Flugobjekten konstruieren und so tun, als habe man unbekannte Flugobjekte gesehen und fotografiert, aber das Universum ist schon groß und da wäre es albern zu behaupten, dass da irgendwo nicht noch andere Lebewesen sein könnten.

entertaim.net: Gibt es Erwartungen für 2013?

Weiki: Wir arbeiten stark an der absoluten Weltdominanz. Eigentlich wäre es an der Zeit, die beste deutsche Band zu werden, aber das sind ja schon die Ärzte. Es gibt eine Menge Sachen, die man machen könnte, wenn man denn wollte. Und dann macht man das doch nicht. Es wäre Zeit für einen Grammy … der fehlt mir noch. Eigentlich hätten wir diverse Grammys gewinnen müssen! Wir könnten auch bezichtigt werden, den Satanismus zu verbreiten, dann müssten wir dementieren und würden behaupten, christliche Botschaften in den Songs zu haben, man könnte verklagt werden und müsste viel Energie und Zeit mit derartigen Sachen verbringen. Also sowas brauche ich schon mal nicht für 2013. Da hab ich keinen Bock drauf.

entertaim.net: Viele Musiker schreiben mittlerweile ihre Biografie. Wäre das was für Dich?

Weiki: Nö! Ich würde wahrscheinich anfangen und dann wieder alles liegenlassen. Wenn man so ein Buch schreibt, muss man das ja auch gut machen, dann würde ich beginnen und hätte plötzlich keine Lust mehr, weil ich dann doch lieber andere Sachen machen möchte … da käme dann ja nichts bei raus. Es wäre mir auch einfach zu anstrengend.

entertaim.net: Wir hatten bei unserem letzten Interview davon gesprochen, dass, wenn es zu einem Face2Face-Interview zwischen uns käme, ich – wie bei Mariah Carey – einen Ventilator mitbringen würde, damit Deine Haare dann auch im Wind wehen …

Weiki: … jaja oder reingezogen werden und hängen bleiben.

entertaim.net: Sehe aber gut aus!

Weiki: Bestimmt 🙂

entertaim.net: Weiki, ich danke soweit und wünsche alles Gute nach Teneriffa und dann bis zum direkten Interview, wenn Ihr hier in der Nähe spielt …

Weiki: ja, dann auch schöne Grüße nach Köln …

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