Kamelot / Interview mit Oliver Palotai

Kamelot 2012 - Interview by Dennis Rowehl

Ein neues, erfolgreiches Album, eine extrem gut besuchte Tour und ein stetiger Aufwärtstrend … KAMELOT haben sich zu der Größe im Melodic Metal überhaupt entwicket und so trafen wir Oliver Palotai, um mit ihm über das Geheimnis des Erfolges, Politik und das Leben als Berufsmusiker zu plaudern.

Interview: Dennis Rowehl

Photo mit freundlicher Genehmigung von Oktober Promotion

entertaim.net: Glückwunsch zum neuen Album. Auch als nicht unbedingter Kamelot-Fan fand ich die neue CD sehr überzeugend. Wirkt vom Sound rougher. Seid Ihr mit dem allgemeinem Feedback bislang zufrieden?

Oliver Palotai: Definitiv. Mein persönliches Ziel war es, die ausgeprägteren melodischen Elemente der älteren Alben mit dem modernen Produktionsansatz der letzten CDs in Einklang zu bringen. Meiner Meinung nach ist das gelungen und ich bin überrascht, wie viele Fans und Kritiker das bestätigen, ohne von dieser Absicht unsererseits gewusst zu haben. Die häufigsten Vergleiche finden mit „The Black Halo“ und „Epica“ statt, die auch zu meinen Favoriten zählen.

entertaim.net: Es gibt viele Bands im Segment Melodic Metal. Was ist das Besondere an Kamelot, dass Ihr über die Jahre so erfolgreich seid und einer der größten band in dieser Sparte seid?

O.P.: Wir haben eben einen recht spezifischen Sound, einen eher ungewöhnlichen Mix aus melodischem und progressivem Metal und einem Schuß Gothic. Mit jedem Album gehen wir auch ein gewisses Risiko ein und experimentieren mit neuen Sounds und Produktionsansätzen. Der eigentliche Grund hinter unserem „Geheimnis“ ist aber vielleicht, dass wir aus ganz unterschiedlichen Richtungen kommen. Casey Grillo, unser Schlagzeuger, hat jahrelang eher groovende Musik gespielt, bevor er Double Bass auch nur aussprechen konnte. Sascha Paeth, unser Produzent, ist sowieso ein Tausendsassa und sehr Blues- affin. Ich hingegen komme aus dem Jazz und der Klassik.

entertaim.net: Wie verbringt Ihr während einer Tour das, was euch an Freizeit bleibt? Da Ihr viele Städte und Venues bereits öfter gespielt habt, ist Sight Seeing sicherlich nicht mehr so interessant, oder?

O.P.: Die Wahrheit ist, dass wir im Vergleich zu der langen Zeit, die wir schon auf Tour verbracht haben, recht wenig von den Ländern und Städten mitbekommen. Wir kriechen meist sehr spät morgens aus der Buskoje – weil wir meist nicht vor vier, fünf Uhr morgens schlafen gehen -, man wartet, bis man die eine Dusche für 30 Leute auf Tour benutzen kann, dann steht schon der Soundcheck an, Interviews, und schließlich die Show. Außerdem sind die Konzerthallen meist in wahnsinnig uninteressanten Außenbezirken. Zumindest: Wenn ich alle Ausflüge der letzten zehn Tourjahre zusammen zähle, habe ich dennoch eine Menge gesehen.

entertaim.net: Melodic Metal ist ja eher unpolitisch. Insgesamt fällt auf, dass Rockmusik grundsätzlich sehr unpolitisch geworden ist, obwohl es sicherlich unzählige Gründe gibt, sich als Musiker zu engagieren. Hast Du eine Erklärung dafür?

O.P.: Ich kann mich täuschen, aber wahrscheinlich reflektiert dies das Nachlassen des Interesses an politischen Themen insgesamt. Wenn wir ein Album planen, überlegen wir uns auch ein Konzept, und fragen uns, was die Fans interessiert. Im Falle einer meiner anderen Bands, Sons Of Seasons, gehe ich dann auch in den Texten an viele Brennpunkte ran. Dinge wie der Überwachungsstaat, die Unfähigkeit mancher Länder, Kriegsverbrechen einzugestehen, die Ursachen der Finanzkrise etc. Aber insgesamt stelle ich fest, dass dies eher auf wenig Interesse stößt. Ich engangiere mich für mehrere Umweltschutzorganisationen und generell bekommen meine Facebook- Posts, die sich darauf beziehen, deutlich weniger Feedback als andere Meinungsäußerungen.

entertaim.net: … was schade ist, dass politische Statements bei den Menschen kaum eine Rolle spielt. (…) Ihr seid eine durch und durch internationale Band … ist es für dich persönlich immer noch etwas Besonderes, in Deutschland zu spielen?

O.P.: Ich hatte viele Gelegenheiten, zu meinen Bands in die USA zu ziehen. Stattdessen bin ich in das schwäbische Dorf zurückgezogen, in dem ich aufwuchs. Ich bin sehr heimatverbunden und kann gerade durch meine vielen Tourneen sagen, dass es sich in unserem Land sehr gut leben lässt. Auftritte in Deutschland sind schon allein deswegen angenehm, weil die Rahmenbedingungen stimmen, Technik und Catering beispielsweise. Das Publikum kann allerdings auch viel Arbeit bedeuten. Nicht immer sind wir das talentierteste Volk, Enthusiasmus zu zeigen.

entertaim.net: Was sind für dich als Berufsmusiker die musikalischen Höhepunkte im Leben?

O.P.: Ich bin eher Studio- als Livemusiker. Ich bin ein glücklicher Mensch, wenn ich den ganzen Tag in meinem Studio sitzen kann, wenn ich komponiere, mische, produziere. Klar ist es zum Beispiel ein ganz besonderer Moment, wenn das Paket mit den fertigen CDs von der Plattenfirma eintrifft, aber die vielen, kleinen Erfolgserlebnisse während des Tages sind das eigentliche Salz in der Suppe.

entertaim.net: Oliver, vielen Dank und weiterhin viel Erfolg.

O.P.: Danke auch 🙂

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