Milla Kay / live in Bochum / Germany

Milla Kay
Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Milla Kay, Vanessa Maas

„Musik in den Häusern der Stadt“ ist eine Veranstaltungsreihe des KunstSalon Köln, existiert seit 1997 und steht für ungewöhnliche Auftrittsorte sowie interessante musikalische Persönlichkeiten. In der Zeit vom 6. bis 11. November 2012 fanden 122 Konzerte statt, u.a. in Köln, Bochum, Bonn, Hamburg, Mannheim und Karlsruhe.

Donnerstag, Achter November 2012.
20 Uhr, mitten in Bochum – in den Häusern der Stadt – in einem Juweliergeschäft steigt gleich das Konzert von Milla Kay.
Gegenüber des Juweliers vor einem Ein-Euro-Laden sind noch die aschigen Überreste eines Brandherdes zu sehen und zu riechen. Flackerndes Blau, ein Polizeiwagen patroulliert mehrmals durch die Fußgängerzone, Menschen mit Mobiltelfonen im Laufschritt und vereinzelte Raucher vor verdunkelten Schaufenstern nebst schick gekleideteten Paaren mit dezentem Ruhrpott-Akzent.
Ein strahlender Eingang sowie ein roter Teppich weisen den Weg durch eine kleine Passage in das Ladeninnere: Ein Rondell, knappe zehn Meter im Durchmessser, gesäumt von in die Holzwände eingelassenen Schaukästen und goldenen Schriftzügen diverser Uhrenhersteller des oberen Preissegmentes. Überall glitzert Schmuck im Licht sorgfältig ausgerichteter Kunstlichtstrahler. Die Decke ein Firmament in Blau und Gold. Vierzig Stühle und eine kleine Bühne mit etlichen Instrumenten, vielen Kabeln und elektronischem Beiwerk. Gleich beginnt das Konzert von Milla Kay. Ausverkauft – von draussen drücken Menschen ihre Nasen an die Eingangstür und schauen gespannt in das Innere der Schatztruhe.
Es wirkt und ist sehr privat, man scheint sich zu kennen oder lernt sich kennen.
Gespannte Atmosphäre, alles ist gespannt – Soundcheck.

Milla Kays Musik wird mangels konkreter Einordnung gerne als Singer/Songwriter-Musik mit Einfüssen aus Jazz, Latin, Folk und Pop beschrieben. Doch Milla Kay ist mehr – gezielt und sehr gekonnt fließen Elektro- und Minimal Sounds in das jazzige Arrangement mit ein.
Da entsteht etwas, das sich wohltuend aus dem Mainstream heraushebt und das bereits nach den ersten Takten. Diese Musik macht Spaß und fordert auf.
Improvisierte Einspielungen, Loops und Delays werden mit einprägsamen Gitarrenriffs und der unglaublich vielschichtigen Stimme von Milla Kay zu einer einzigartigen Soundcollage gewebt. Ukulele und Xylophon sind auch mit dabei. Tolle Melodien, die mit den englischen Texten wunderbar harmonieren, coole Breaks und plötzlich ist man ganz woanders und doch am gleichen Ort – in Milla Kays musikalischer Welt.
Das Publikum ist begeistert, es wird mitgegroovt, gewippt und kopfgenickt – der Juweliersalon bebt. Tolle Akustik in dem kleinen Ladenlokal.

Milla Kay
Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Milla Kay, Vanessa Maas

Hauke Kliem im gut sitzenden, matt-graugrünen Tweedmusteranzug mit weißen, rot-blau-rot-gestreiften Retro-Turschuhen und Milla Kay in elegant-lässigem Violett-Schwarz samt markanter, dunkelbrauner Hornbrille. Das passt, ist stilsicher und wirkt authentisch, genau wie ihre Musik: Sehr gut.

Die bisher veröffentlichten Alben „Out of place“ und „Heartmade“ sind schon lange kein Geheimtipp mehr. Erstklassige Musik – hervorragend produziert.
Live ist nochmal etwas anderes und live sind Milla Kay und Hauke Kliem ein Ereignis. Es groovt, ist sphärisch, es jazzt – man wird hineingezogen in eine farbgewaltige Wolke aus Musik und etwas, das sich nicht einfach beschreiben lässt. Dort ereignet sich etwas.

Dear Sun, walking on air, drifting, mashup, like an arrow, air interlude, rewind …
und unter anderem Coverversionen von cry me a river, seven nation army und road to nowhere klingen eigen, anders und gekonnt.
14 Stücke und die Zeit wird zu einem Moment.

Das Publikum ist kaum zu halten, Standing-Ovations im Rondell des Juwelierladenlokals.
Die Location, das Publikum, die Künstler und ihre Musik – was für eine Mischung, was für ein Konzert. Hier treffen Welten aufeinander und sie tun sich gegenseitig gut.
Skuril mutet dieses Zusammenspiel an, aber es ist genau richtig.

Es gibt gute und schlechte Musik. Milla Kay hat einmal mehr bewiesen, dass es auch sehr gute Musik gibt.

Fotos: Mit freundlicher Genehmigung von Milla Kay, Vanessa Maas, peculiar promotion – PR-Agentur für Musik und Film

Redakteur: Thorsten Lehmann

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