STABIL ELITE / DOUZE POUZE / Italic (Rough Trade)

Die Düsseldorfer STABIL ELITE (Lucas Croon, Martin Sonnensberger und Nikolai Szymanski) haben mit ihrem Debutalbum „Douze Pouze“ den ganz großen Wurf gewagt – und gewonnen. Unglaublich, mit welcher Raffinesse sie sich den damals weltberühmten Düsseldorfer Sound der 70er Jahre zu eigen machen! Wie hier in „Hydravion“ dem KRAFTWERK’schen Werk nicht nur gehuldigt, sondern mit sehr catchy Synthie-Melodie und old school Kraftwerk-drum-machine ein völlig neuer, dennoch total vertrauter Sound geboren wird – das hat es so noch nicht gegeben. Ist man erst leicht irritiert von Der-Plan-mäßigen Dengel-Kulisse samt Neo-Dada-Gedicht im Auftakt „Drei gerade Zahlen“, steigen sie mit „Expo“ in eine Liaisons-dangereuses-mäßige fette sequenzerbasierte Industrial-Landschaft ein.  Die Texte sind stets rätselhaft und werden in ständiger Wiederholung deklamiert, dabei an DAF und die gesamte frühe Neue Deutsche Welle erinnernd. STABIL ELITE verzaubern mit ihrem selbstgewählten retro-futuristischen Ansatz diejenigen, für die NEU! und KRAFTWERK und der ganze Düsseldorfer Kling Klang der Mittsiebziger mehr ist als pure Nostalgie. Hier wurde der Sound geboren, aus dem spätere Electro-Acts ihre Konzepte und Soundideen entliehen. Hier bedient sich STABIL ELITE ganz ungeniert – auch weil es bisher keiner wagte, so nah an den Vorbildern zu musizieren, obwohl doch eigentlich immer klar war: wenn  weltweit und seit kurzem wieder verstärkt Musiker der jüngsten Generationen sich explizit auf diese Düsseldorfer Zeit berufen, dann muss es doch auch in Deutschland (ergo: Düsseldorf!!) Künstler geben, die sich des Erbes bemächtigen. Und so geht’s: Der Mini-Moog schwelgt, manches mal kommt ein richtiges Schlagzeug samt Percussion hinzu (Agent Orange), was eine CAN-artige Stimmung erzeugt (OK, CAN waren Kölner ;-). Fantastische Klangexkursionen, die dabei fast immer tanzbar sind. „Aether“ (ja, kraftwerkmäßiger kann man ein Stück nicht benennen!) ist 100% KRAFTWERK – da kann Ralf Hütter beruhigt in Rente gehen! Die großen LA DÜSSELDORF kommen in „Revue 12“ und in vielen weiteren Synth-Melodien endlich zu Ehren – und ob RHEINGOLD’s Dreiklangdimensionen für das Outro „Dreiklang“ Pate gestanden haben – wer weiß?

Ein großartiges Album einer in allen Belangen stilsicheren Band:

5/5

Redakteur: Martin Hannig