Crowdfunding/ Urheberrecht / Die Kohle der vielen

c/o pop

Wenn es darum geht, Musik an die Öffentlichkeit zu bringen, stehen die meisten Bands heute vor einem Problem: immer weniger Musikhörer wollen für ihr Vergnügen bezahlen – während gleichzeitig Musik omnipräsent in allen Medien erscheint und besonders im Internet – wenn man nur lange genug sucht – stets verfügbar ist.

Ein Bericht von der Convention des diesjährigen c/o pop von Martin Hannig

Logo by  c/o pop

Das diesjährige c/o pop Festival in Köln – und hier besonders die Convention, das Branchentreffen mit Kongress – widmete sich schwerpunktmäßig einer möglichen Lösung des Problems: dem Crowdfunding (CF) –  das Einsammeln von Geld der Fans soll bereits vor der Produktion der künstlerischen Leistung diese erst ermöglichen. Ein sehr prominentes Beispiel ist der geplante STROMBERG-Kinofilm, der erst durch die Kohle der vielen Fans, die vorab in nur einer Woche 1 Mio. € investierten, ermöglicht wird. Siehe http://www.myspass.de/specials/stromberg-kinofilm/
An den hoffentlich zu erwartenden Gewinnen durch die Kinoauswertung werden die Investoren dann beteiligt.

50% Erfolgsquote

Ist dieses Modell generell übertragbar auf den Musikbereich? In einem von DRadio Wissen präsentierten Gespräch „Die Masse als Mäzen der Kreativwirtschaft“ wurden durchaus hoffnungsvolle Impulse gegeben. Tino Kreßner von der CF-Plattform startnext.de erläuterte sein Geschäftsmodell, bei dem sogenannte Kreativ-Projekte hochgeladen und von den Nutzern bewertet werden. Für ihn stellen sich dabei allerdings hohe Anforderungen im rechtlichen Bereich und in der Abwicklung der Zahlungsströme. Ein Viertel seiner Projekte sind dem Musikbereich zuzuordnen. Musik eignet sich demnach besonders für das CF, da sie  – im Gegensatz zu Filmen – relativ schnell produziert ist und einen hohen emotionalen Faktor liefert. Die Arbeit am Projekt wird hingegen oftmals unterschätzt. Auf Startnext gibt es z.B. eine Erfolgsquote von – immerhin – 50%. Bei CF-Projekten wird das Geld erst ausgeschüttet, wenn 100% finanziert ist. Vorher liegt der Betrag auf einem Treuhandkonto und wird den Investoren natürlich zurückgezahlt, sollte es nicht zu den 100% kommen.

Benjamin Mirtschin von der Band City Light Thief durfte die künstlerische Seite des CF vertreten. Sein Statement: man soll sich als neue Band keine Illusionen machen: wer Geld in eine Produktion steckt, muss davon ausgehen, dass die Kohle weg ist. Deshalb hat sich City Light Thief für ihre neue EP für CF entschieden. Er nannte es „Vorbestellen 2.0“. Erstaunlicherweise hat die Band so in recht kurzer Zeit 200% der geplanten Summe erhalten. Ein Hoffnung machendes Beispiel, wie man auch als Newcomer überzeugende Produktionen durchführen kann – wenn man nur genügend Anhänger findet. Benjamins Meinung nach werden die Labels auch zukünftig kein Geld verlieren wollen, weshalb ein Teil der Produktionskosten immer mehr über CF-Modelle abgedeckt sein wollen.

Weiteres Megathema auf der Convention in vielen Panels und Diskussionsrunden: die in den letzten Jahren und besonders mit dem Aufkommen der Piraten immer stärker in den Fokus geratenen Probleme mit dem Urheberrecht im Internet. Label-Besitzer Stefan Herwig skizzierte eine mögliche Vision für en neues Urheberrecht: das „Creative Commerce“-Recht, welches bestimmte Nutzungsarten umfasst und neben das traditionelle Copyright treten könnte. Denn seiner Meinung nach gehen die liberalisierten Tendenzen auf der Nutzerebene durch technische Möglichkeiten (Internet, mobile Kommunikation) mit dem traditionellen Urheberrecht nicht mehr konform. Wir haben zur Zeit ein Transaktionsverhinderungsrecht, er will aber ein Transaktionsrecht, welches also neue Geschäftsmodelle erleichtert. In der anschließenden Diskussion wurde aber vor einer weiteren Verkomplizierung gewarnt . Die Nutzer würden neue rechtliche Modelle nicht mehr nachvollziehen können. Nach Meinung von GEMA-Mann Alexander Wolf werden neue Gesetze hier eh auf sich warten lassen – das ganze Thema Urheberrecht wird eher zur Verhandlungsmasse zwischen Urhebern, Verwertern und der GEMA werden.  Karl-Nikolaus Peifer, Professor für Medienrecht, erklärte, dass alle neuen Modelle immer mit einem Problem zu kämpfen hätten: die Durchsetzung der Urheberrechte wird in Zeiten des Internets immer aufwendiger.

Eine hervorragende Rede – vor leider spärlich besetzten Reihen – hielt zwischendurch noch Robert Levine, ehemals Chefredakteur der von „Billboard“, der mit seinem Buch„Free Ride“ Stellung bezog gegen die Zerstörung der Urheberrechte:

LARS ULLRICH HATTE RECHT

Lars Ullrich, Metallica-Drummer und das erste Feindbild der Internet-Piraterie-Szene vor vielen Jahren, hatte demnach recht. Levine erläuterte noch einmal die Hintergründe dieses ersten prominenten Falls „Künstler vs. freies Internet“. Denn natürlich hatten Metallica ihren Fans seit jeher erlaubt ihre Gigs aufzunehmen; selbst als Metallica-Songs damals bei Napster auftauchten, fanden Metallica das nicht der Rede wert. Als dann aber ein noch nicht zur Veröffentlichung freigegebener Song dort auftauchte, ließen Metallica ihre Muskeln spielen und gingen gegen Napster vor. Zugegeben: Ullrich hätte nicht unbedingt im dicken SUV bei Napster vorfahren müssen, um Napster-Chef Shawn Fanning die Klageschrift auszuhändigen. Ein sehr peinliches Bild, was ihn dann auch prompt zur Zielscheibe von Hohn und Spott machte.
Levine stellt ganz klar, dass das Urheberrecht es ihm ermöglicht, überhaupt Bücher schreiben zu können. Er würde niemals einen Kredit bekommen als Autor eines noch ungeschriebenen Buches. Erst das Lizenzieren seiner Rechte bei einem Verlag würde ihn kreditwürdig machen. So verschaffe ihm das Urheberrecht Kredite. Insofern kann er nichts Verwerfliches bei Metallicas Vorgehen erkennen – er hätte an ihrer Stelle genauso gehandelt.

YOUTUBE IST STRASSENRAUB

Es sei grob verfälschend, den Streit um das Copyright als eine Auseinandersetzung zwischen bösen geldgeilen Unternehmen und der armen aufrechten Netzaktivisten-Gemeinde dazustellen. In Wirklichkeit geht es um einen Kampf der Urheber gegen die Internetgiganten. Denn wer sponsert denn die Netzaktivisten? Levine stellte heraus, dass Unternehmen wie Google hier besonders aktiv seinen. So sitzt die Schwiegermutter von Google-Gründer Sergej Brin im Aufsichtsrat von Creative Commons. Kann sich diese Organisation noch gemeinnnützig nennen? Weiterhin spendete Google 4,5 Mio. € an das Berliner Institute for Internet and Society – ein Schelm, wer Böses dabei denkt…. Das Urheberrecht, so Levine, hat nach UN-Vereinbarungen den Rang eines Menschenrechts; es darf keinem Urheber abgesprochen werden. Was youtube und andere machen, sei nichts anderes als Straßenraub.
Um in seinen Worten zu schließen: “It’s foolish to wish for a return to the days of vinyl […], the future is digital, and that’s a good thing. The question is what kind of future it will be. We can’t build a working online economy without a market, we can’t have a market without property rights, and we can’t have property rights without some means of enforcing them. Instead of leaving technology companies to do what they want, we need a smart, sensible way of regulating the Internet that will help it live up to it’s promise.“ Mit anderen Worten: Piraten, ihr seid auf dem Holzweg!

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