BLOOD GOD und DEBAUCHERY / Blood, Guts and Beers … Hübsche Frauen, Kunstblut und die Bedeutung von Normalität

Thomas Gurrath dürfte zumindest jedem Metalhead ein Begriff sein: Debauchery, Blood Models, Karriere als Lehrer versus Musiker, Stigmatisierung und so weiter … und nun hat eben dieser Thomas Gurrath mit BLOOD GOD eine neues … bzw. zwei neue Alben mit „No brain but Balls“ mit eigenem Label am Start und sein AC/DC-Stil erfreute bislang die Musikpresse. Da es sich aber bei extrovertierten, nach außen blutrünstig erscheinenden Persönlichkeiten in der Regel um eher friedfertige und vielmehr zynische Zeitgenossen handelt, verlief das Interview natürlich lustiger als es dem Spiritus Mundi folgend eigentlich hätte verlaufen sollen … lol … und so entwickelte sich ein Pläuschchen über gute und schlechte Labels, hübsche Frauen in Kunstblut, die Normalität des Sidewindings und was auch immer … ach ja … Musik war selbstverständlich auch Thema des Gesprächs …

Interview: Dennis Rowehl
Bilder mit freundlicher Genehmigung von Blood God

entertaim.net: Ja hallo Thomas, dein neues Album „No brain but balls“ (Blood God) hat eine ziemlich gute Presse bekommen. Handelt es sich nun mehr um ein Projekt oder eine echte Band? Und gibt es zum Release eine Tour?

Thomas Gurrath: Noch nicht. Ich bin mit Debauchery komplett ausgebucht. Wir spielen permanent Gigs, so ziemlich überall … in Deutschland, Österreich, Ost-Europa, Russland … nur noch nicht in den USA. Russland ist ein ziemlich starker Markt für uns. Entsprechend habe ich noch keinen Plan, wann es Gigs mit Blood God geben wird. Es passiert, wie’s passiert (lacht). Um auf deine Frage mit der Band zurückzukommen … ich hatte schon mal ein ähnliches Projekt namens Big Ball, damals standen die Zeichen gut, dass es eine richtige Band hätte werden können .. aber das war dann letztendlich doch nicht der Fall. Daher ist BLOOD GOD so angelegt, dass alles auf mich zugeschnitten worden ist, also mehr ein Projekt als eine Band im klassischen Sinne. Hier spielt Blut auch wieder eine große Rolle. Das passt zu mir und da man mich in dieser Verbindung auch kennt, mach ich eben das, was auch zu mir passt (lacht). Man will es ja so.

entertaim.net: Wenn ihr mit Debauchery derart ausgebucht seid, stellt sich eigentlich die nächste Frage nicht wirklich, ob du von der Musik leben kannst … ?

T.G.: Ja, ich bin Berufsmusiker …

entertaim.net: … was mich noch einmal zu der alten Geschichte bringt, dass du dich vor einiger Zeit aus dem Referendariat zur Lehrerausbildung unfreiwillig zurückziehen musstest, um die Musik so, wie du sie eben zelebrierst, nicht aufgeben zu müssen. Hast du deine Entscheidung jemals bereut?

T.G.: Nein! Absolut nicht. Es wäre natürlich schon cool, so eine halbe Stelle im Lehramt zu haben. Aber ich habe so meine künstlerische Freiheit bewahrt und mache seit Jahren nur noch Freaksachen (lacht). Eigentlich hat das nichts mit einem normalen Leben zu tun. Ich mache meine Musikprojekte, Blutshows, abgedrehte Horrorvideos, bin seit 2 Jahren Single …

entertaim.net: … da steckt dann doch ein Fünkchen Normalität: Heutzutage wäre es dann wohl eher ungewöhnlich, seit vielen Jahren glücklich verheiratet zu sein …

T.G.: (lacht) … stimmt, da ist vielleicht was Wahres dran.

entertaim.net: Neben Debauchery gibt es nun mit Blood God also wieder eine Art AC/DC-Projekt und da werden sicherlich einige Personen behaupten, da wird auf den Airbourne-Zug aufgesprungen …

T.G.: Das kann schon sein, aber AC/DC und Hard Rock ist ja nun nicht wirklich ein Modetrend, auf den man aufspringen muss. Ich höre AC/DC bereits, solange ich denken kann und mit Big Ball haben wir ja bereits etwas Ähnliches gemacht. Die Idee ist also nichts wirklich Neues, aber es macht viel Spaß.

entertaim.net: Bei Blood God bist du dein eigenes Label. Macht es mehr Sinn für dich?

T.G.: Bei Big Ball hatten wir ein Label. Die Scheibe hat sich super verkauft, aber Kohle haben wir kaum gesehen. Das ärgert mich, wenn ein Label nichts macht, aber dann die Kohle abschöpft. Da kann ich gleich alles selbst machen. Es gibt einige sehr gute Labels wie Nuclear Blast, wo einfach alles professionell läuft, man mit anderen Bands auf Tour geschickt wird und eine Hand in die andere greift. Das wäre ein wünschenswerter Zustand, den ich gerne beim nächsten Debauchery-Album hätte. Bei Blood God mache ich die Labelarbeit allein und dann habe ich mit dem Vertrieb und der PR-Agentur Oktober Promotion sehr professionelle Partner, auf die man sich auch verlassen kann. So gesehen bin ich jetzt sehr zufrieden und das Album steht überall zum Verkauf. Was will man mehr?

entertaim.net: Kommen wir zur Frage nach der Faszination für Blut …

T.G.: … und Frauen …

entertaim.net: Nee, noch nicht, bleiben wir zuerst mal beim Blut …

T.G.: (lacht)

entertaim.net: Also, woher diese Faszination? Klischee, Mittel zum Zeck oder Leidenschaft?

T.G.: Vermutlich alles! Ich weiß gar nicht mehr genau, woher diese Faszination eigentlich noch kommt. Fakt ist, dass wir irgendwann auf der Bühne Metal gespielt haben und ich hab mir gedacht, dass wir irgendwas machen müssen, um aufzufallen und einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. So fing es an und mittlerweile ist es mein Markenzeichen geworden. Wenn ein Musiker zu Debauchery stößt, weiß er sofort, was ihn erwartet und auf was er sich einlässt. Das gleiche gilt für unsere Backgroundtänzerinnen. Die haben absolut kein Problem damit und werden für die recht kurze Arbeitszeit ziemlich gut bezahlt. Naja, und dass man sich nach der Arbeit duscht, ist ja nichts Außergewöhnliches. Als ich mit Big Ball live gespielt habe, haben wir komplett auf Kunstblut verzichtet. Das war sehr eigenartig und ich fühlte mich irgendwie nackt. Im Ernst! Das war so ein Gefühl wie beim Soundcheck. Eine Show ohne Kunstblut kann ich mir gar nicht mehr vorstellen, auch wenn das Zeug tierisch klebt und in den Augen brennt.

entertaim.net: Und auf Frauen darf beim Artwork ebenfalls nicht verzichtet werden?

T.G.: Auf keinen Fall (lacht), was wäre der Rock and Roll ohne hübsche Frauen?

entertaim.net: Es gibt ein Video von Debauchery: Animal Holocaust. Die Szenen aus den Schlachthöfen sind schon sehr krass. War es die Intention, lediglich zu provozieren oder steckt eine ernsthafte Absicht dahinter?

T.G.: Meat is Murder! So heißt es im Text. Hinter diesem Video stecken ernsthafte Absichten! Es geht um Tierquälerei und die unwürdige Massentierhaltung. Deshalb bin ich auch seit einigen Jahren überzeugter Vegetarier.

entertaim.net: Gibt es eine Zusammenarbeit mit Tierschutzgruppen?

T.G.: Die Aufnahmen aus den Schlachthöfen haben wir tatsächlich von PETA bekommen, eine weitere Zusammenarbeit gab es bislang noch nicht. Vielleicht waren wir denen zu krass, aber ich kann mir gut vorstellen, dass wir mehr in Sachen Charity gegen Tierquälerei machen werden.

entertaim.net: Noch eine Frage zu dem Bild vom Artwork. Das Rückentattoo von Dir? Ist das echt?

T.G.: Aber sicher doch. Auf Tattoos stehe ich natürlich auch (lacht).

entertaim.net: Dann danke ich erst einmal für das Gespräch. Also, konkrete Pläne mit Blood God-Gigs gibt es ja noch nicht?

T.G.: Bisher nicht, ich habe auch wirklich noch keinen Plan, aber Bock habe ich auf jeden Fall. Club-Gigs, Biker-Parties, Alles was passt!

entertaim.net: Ich bin gespannt. Dann treffen wir uns bei der nächsten Show, die du in der Nähe von Köln spielst.

T.G.: Auf jeden Fall. Besten Dank.

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