P.O.D. / Tote Liebe und Endzeitstimmung

L.A., Köln. „Murdered Love“, so der Titel des aktuellen POD-Albums, ging insbesondere in den USA steil bergauf und so stürmten die Ex-Nu-Metallisten die Single und Rockcharts. Und bei aller Euphorie hinsichtlich des neuen Erfolges seit „Satellite“ gibt es gesellschaftlich betrachtet viel Anlass für düstere Stimmungen und schwarzem Humor. Entertaim.net sprach mit Sänger Sonny über das Album, Religion, die Präsidentschatswahl, Stephen King, korrupte Politiker und den ruinösen Lebensstil eines korrupten Systems.

Interview: Dennis Rowehl / Photo mit Genehmigung von POD & Oktober Promotion

entertaim.net: Auch wenn mir das letzte Album „When Angels and Serpents“ persönlich gefiel, Gratulation für den Erfolg des aktuellen Albums …
Sonny: .. vielen Dank. Wir haben lange daran gearbeitet und ein super Team, das diesen Erfolg möglich gemacht hat. Wir sind sehr dankbar für die positive Resonanz.
entertaim.net: Ihr habt zum letzten Album in Südamerika, insbesondere in Argentinien und Kolumbien gespielt. War das etwas Besonderes für Euch?
Sonny: Absolut. Darauf haben wir lange gewartet und es war eine großartige Erfahrung.
entertaim.net: Habt Ihr viel von den Ländern und der Armut mitbekommen oder musstet Ihr die meiste Zeit in den Venues verbringen?
Sonny: Wir haben natürlich viel Zeit mit Interviews und in den einzelnen Venues verbracht. Von den Städten konnten wir einiges mitbekommen, aber die Zeit war natürlich zu knapp, um sich einen richtigen Eindruck der Verhältnisse mache zu können.
entertaim.net: „Murdered love“ ist nun nicht unbedingt ein sehr positiver Albumtitel. Gibt es eine persönliche Geschichte zu dem Titel?
Sonny: Das nicht unmittelbar, aber wenn du einen Blick auf das Cover wirfst geht es um die Kreuzigung nd das Thma, dass Jesus für unsere Sünden gestorben ist. Gott ist die Liebe, doch diese Liebe wird von den Menschen weggeworfen und getötet. Es spiegelt einen hoffnungslosen Moment wider, einen Augenblick tiefer Verzweiflung, dass es in der Welt keinen Platz mehr für Nächstenliebe gibt und die Menschheit das, was wir unter Liebe verstehen, bedenkenlos abschlachtet.
entertaim.net: Wenn man sich die Gesellschaft ansieht, scheint es nur noch um die Gier nach mehr zu gehen, um Konsum, Konsum, Konsum … das Streben nach Markenklamotten, die neusten technischen Spielereien und so weiter …
Sonny: Das stimmt leider. Ich würde ja gerne sagen, dass ich eine Verbesserung im menschlichen Verhalten untereinander sehe, aber das Gegenteil ist der Fall. Du hast Recht, jeder denkt nur noch an sich und seine Besitztümer. Kaum noch jemand hat wirkliches Interesse an anderen Menschen, an Nachbarn, es ist wirklich eine gierige Wegwerfgesellschaft geworden.
entertaim.net: Ihr seid eine sehr religiöse Band …
Sonny: … im Ernst, bei der Vielfalt an Religionen allein in den Vereinigten Staaten verliert man schnell den Überblick (lachend). Wir sind eine christliche Band und glauben an die Lehre Jesu von Nächstenliebe und so weiter …
entertaim.net: … wenn man sieht, wie sich Menschen … im Fall USA vorwiegend Christen …. verhalten, wie reagiert man dann als wahrer Christ?
Sonny: Hmm, die größten Sünden sind übertriebener Stolz in Verbindung mit Selbstsucht und das steht in der Gesllschaft an oberster Stelle. Ich habe auch das Gefühl, dass dies immer schlimmer wird. Das lässt wenig Anlass zur Hoffnung. Persönlich glaube ich nicht, dass sich die ganze Menschheit nochmal zum Positiven ändern wird. Es ist ein selbstbezogenes Spiel, bei dem sich die Menschheit selbst zugrunde richtet. Es ist eine Art Endzeitstimmung bei mir, sodass man auf die Erlösung hofft.
entertaim.net: Da erinnere ich mich an die Worte von George W. Bush, der damals Irak quasi im Namen Gottes den Krieg erklärt hat …
Sonny: … (lachend) Ja, das ist das ewige Spiel, da beziehen sich die Mächtigen dieser Welt auf Gott, um ihre eigenen Interessen zu verfolgen und dafür eine Rechtfertigung zu finden.
entertaim.net: Da steht bei Euch demnächst die Präsidentschaftswahl an … Romney gegen Obama. Gehst du wählen? Romney soll weniger Steuen zahlen als seine Angestellten …
Sonny: (lacht) Das willst Du nicht wissen! Im Ernst, es wird viel geredet und ändern wird sich nichts! Egal, on Romney oder Obama, beide interessieren sich für sich selbst, der kleine Mann ist fr beide nicht von Interesse!
entertaim.net: Da fällt mir ein. Stephen Kind spendet viel für wohltätige Zwecke und hat sich darüber beschwert, dass es für reiche Bürger in den USA nicht möglich ist, freiwillig mehr Steuern zu zahlen als üblich, weil die Republikaner gegen diesen Gesetzesänderungsvorschlag sind …
Sonny: (lacht)
entertaim.net: … was hältst Du davon?
Sonny: Warum sollte Stephen Kind mehr Steuern zahlen. Wenn er Geld für Bedürftige spendet, tut er etwas Gutes und er kann davon ausgehen, dass das Geld auch zweckorientiert verwendet wird. Egal, wer an der Macht ist … Demokraten oder Republikaner … ich habe kein Vertrauen in die Regierung! Wenn er höhere Steuern zahlt, bewirkt er doch nichts, sondern unterstützt ein korruptes System und trägt dazu bei, dass … wer auch immer Präsident wird …. sich dieser ein noch größeres haus bauen kann oder das Geld anderweitig verschleudern kann (lachend). Dann soll er lieber direkt  spenden, das ist sinnvoller!
entertaim.net: Beim letzten Mal hatte ich ein Interview mit Wuv, der mir sagte, das Ihr gute Kumpels von Rey Mysterio seid. Gibt es immer noch einen guten Kontakt?
Sonny: Sicher doch. Wir hocken oft zusammen, gehen Tacos essen und hängen zusammen ab.
entertaim.net: Gibt es Pläne für eine Deutschland-Tour?
Sonny: Ich hoffe, dass wir in Deutschland auf Tour gehen können, aber dazu müssen wir schon eingeladen werden und die Rahmenbedingungen stimmen. Es macht ja keinen Sinn, wenn wir die Tour aus der eigenen Tasche bezahlen. Es ist sowieso schwierig für eine Band wie uns, eine Tour auf einem fremden Kontinent auf die Beine zu stellen. Wir wollen ja nicht daran verdienen, aber auch nicht draufzahlen. Aber es wäre großartig, mal wider in Deutschland aufzutreten …
entertaim.net: Gibt es noch ein finales Statement?
Sonny: Dass wir dankbar sind … darüber, dass unseren Fans unser Album gefällt und dass wir gesund sind.
entertaim.net: Sonny, vielen Dank für das Gespräch … und dann erwarte ich nicht, das Du einen neuen Präsidenten wählst (lachend) …
Sonny: (lacht). Da liegst Du richtig! Vielen Dank zurück, vielleicht sehen wir uns face2face, wenn wir in Deutschland spielen sollten …