Jasmin Leuxner / Mein Radio brennt !

Freunde der gepflegten Berichterstattung, vor einiger Zeit hörte ich während des Sendersuchens in der Nacht eine Radiostimme, die eine ganz eigene Färbung hat und sich in vielerlei Hinsicht wohltuend vom vielfach gehörten „Pseudo-lustig-und-extra-hipp-Einerlei“ abhebt. Das ist die Stimme von Jasmin Leuxner.

entertaim.net: Hallo Jasmin. 27 Jahre jung und bereits über 65 Jahre Rundfunkberufserfahrung. Wie war das damals, in der guten alten Funkempfängerzeit?
Jasmin: Haha, nicht so ganz. 30 Jahre jung (dafür danke!) und 11 Jahre Rundfunkberufserfahrung.
entertaim.net: Elf Jahre beim Radio und vermutlich nicht nur bei einem Sender…
Jasmin: Das stimmt! Ich war erst in Landshut, dann Deggendorf, Passau, München, Heilbronn, Bad Vilbel bei Frankfurt und dann wieder in München. Also doch ein paar Stationen, aber es hat sich gelohnt.

entertaim.net: Was ist für Dich das Besondere am Radiomachen?
Jasmin: Radio ist das schnellste Medium der Welt, genau das hat mich schon immer gereizt. Außerdem liebe ich Musik, also bin ich wohl im Radio genau richtig.
entertaim.net: Wie bereitest Du Dich auf Deine Sendung vor?
Jasmin: Ich gehe meinen Musik-Laufplan durch und überlege mir so grob, was ich zu welchem Song zu sagen habe. Ansonsten schreibe ich mir nur das Wetter vor, der Rest passiert spontan.
entertaim.net: Nachts zu arbeiten kann sehr spannend sein. Die Zeit läuft anders, die Menschen verhalten sich anders. Spiegeln sich diese oder andere, ganz eigene Eindrücke auch bei Dir und in Deinem Beruf wider?
Jasmin: Absolut! Ich arbeite so gerne nachts, weil die Uhren einfach anders ticken. Jeder hört intensiver zu. Obwohl Radio ja tagsüber eher ein „Nebenbei-Medium“ ist, nachts hören die Leute zu, weil sie wachgehalten werden wollen, selbst in der Nachtschicht sitzen oder nicht schlafen können.
entertaim.net: Inwieweit und auf welche Weise haben soziale Netzwerke und das Netz in die Gestaltung einer Radiosendung Einzug gehalten?
Jasmin: Soziale Netzwerke und das Internet sind für die Sendung ganz besonders wichtig – vor allem nachts. Immer wieder kommen Mails und Facebook-Nachrichten, die Hörer erzählen, was sie gerade so machen, wo sie uns hören und daraus entwickeln sich oft interessante Geschichten.
entertaim.net: Welche Radio-Moderatorin < > Hörer-Geschichten würdest Du als Deine Kuriosesten bezeichnen oder sind Dir als Besonders in Erinnerung geblieben?
Jasmin: Es gibt viele Geschichten, die im Kopf bleiben – ob es Heiratsanträge sind oder Männer, die erzählen, dass sie gerade Vater werden. Man erfährt oft viel über die Menschen und freut sich mit. Auf der anderen Seite gibt es aber auch viele Schicksalsschläge –  auch da hab ich schon einiges gehört, das mich teilweise noch in den Feierabend begleitet.
entertaim.net: In welche Richtung sollte oder könnte sich Deiner Meinung nach das Medium Radio entwickeln?
Jasmin: Ich denke, die Bedeutung des Radios wird auch in Zukunft ähnlich bleiben. Wenn ich meine Lieblingsmusik hören möchte, dann kann ich natürlich auch auf meinen MP3-Player ausweichen, aber Musik und Ansprache, das bekommt man eben nur im Radio.
entertaim.net: Wie riecht es eigentlich in einem Sendestudio?
Jasmin: Kommt ‚drauf an, wer gerade sendet. 🙂 Bei mir meistens ziemlich frisch, weil die ganze Nacht das Fenster offen ist.


entertaim.net: Seit einiger Zeit erfreuen sich Hörbücher einer immer breiteren Hörerschaft. Was hälst Du von gesprochener Literatur?
Jasmin: Ich liebe Hörbücher. Da ich oft stundenlang im Auto unterwegs bin, sind Hörbücher perfekt für mich. Natürlich werden sie „echte Bücher“ nie ersetzen können, nur für wirklich Lese-Faule, aber Hörbücher sind wirklich toll im Auto und zum Einschlafen.
entertaim.net: Welche Hörbücher haben Dich besonders angesprochen und kannst Du empfehlen, wenn es nicht gerade um das Einschlafen geht, …obwohl?
Jasmin: Gerade höre ich „Mängelexemplar“ von Sarah Kuttner, auch von ihr gesprochen und das auch noch richtig gut. Besonders gerne mag ich auch alle Hörbücher, die von Christoph Maria Herbst gesprochen sind. Hörbücher sind ähnlich wie Radio: Es kommt zwar auch auf den Inhalt an, aber in erster Linie auf die Stimme, die es mir präsentiert.
entertaim.net: Du schenkst Deine Stimme ja nicht nur den Radiohörern…
Wie fühlt es sich für Dich an, wenn Du auf der Straße, beim Spazieren mit dem Hund, im Cafe oder beim Einkaufen angesprochen wirst, weil jemand Deine Stimme erkannt hat.
Jasmin: Ehrlich gesagt, das passiert sehr selten. Oft werde ich anhand meines Namens erkannt und das ist – je nachdem, in welcher Situation ich „erwischt“ werde, mal sehr schmeichelhaft, mal unangenehm. Einmal wurde ich zum Beispiel vom Paketfahrer nach der Nachtschicht wachgeklingelt und stand völlig verschlafen und mit wirren Haaren vor ihm und er sagte: „Wie toll, jetzt weiß ich endlich mal, wie sie aussehen.“
entertaim.net: Wann hast Du das letzte Mal im Auto und zu welchem Titel so richtig laut mitgesungen?
Jasmin: Ich singe fast immer laut im Auto mit… zumindest, wenn ich alleine bin. Der letzte Song war erst vorhin: „Rose Garden“ von Lynn Anderson.
entertaim.net: Was bedeutet Musik für Dich?
Jasmin: Alles! Musik ist für mich der Begleiter durch den Tag, Erinnerungshilfe und Stimmungsverstärker.
entertaim.net:Was ist für Dich Arroganz?
Jasmin: Ein arroganter Mensch ist für mich jemand, der andere Menschen abschätzig behandelt und ich denke, dazu hat niemand das Recht.
Satz-Fortführungen:
Mein letztes Live-Konzert…
war Sting
An anderen Menschen kann ich überhaupt nicht ausstehen,…
… wenn sie egoistisch, arrogant oder humorlos sind.
An mir kann ich überhaupt nicht ausstehen,…
… dass ich sehr ungeduldig und manchmal ein bisschen chaotisch bin.
– Ein perfekter Moment ist,…
… wenn ich mir währenddessen nicht denke, das könnte ein perfekter Moment sein, nur hinterher.
– Wenn ich nochmal 11 wäre,…
…dann würde ich mir fest vornehmen, nicht so ein schwieriger Teenager zu werden und ich würde mit dem Klavierunterricht nicht aufhören. Außerdem würde ich mich in der Schule für Französisch entscheiden und nicht für Latein.
– Wenn ich meine eigene Stimme höre,…
…bin ich ganz zufrieden.
– Meine erste selbst gekaufte Platte/CD,…
…war von den Ärzten: „Im Schatten der Ärzte“. Und die ist mir heute nicht mal peinlich.
entertaim: Und welche Platte/CD ist Dir peinlich? Oder sind es gar mehrere?
Jasmin: Oh, da gibt es viele. Ich hatte zum Beispiel mal eine von David Hasselhoff… Und DIE ist mir wirklich peinlich.
entertaim: Ein Abend voller knisternder Schallplatten und Mix-Tapes,…
Jasmin: Großartig! Da wären wir wieder dabei: Musik ist das Tollste überhaupt. Und wo wir gerade bei Mixtapes sind: Schade eigentlich, dass es so aus der Mode gekommen ist, jemandem eine Kassette aufzunehmen (oder heutzutage eine CD zu brennen), ich finde sowas wirklich schön. Das bedeutet, jemand hat sich Mühe gemacht und nicht nur irgendein Geschenk gekauft.
– Ich lese zur Zeit:
…“Die emotionale Obdachlosigkeit männlicher Singles“, eins meiner typischen rosa Mädchenbücher. Ich lese oft zum Einschlafen, da muss es einfach zu lesen sein.
– Ich höre zur Zeit (Lied/Album):
…“Love is a Four Letter Word“ von Jason Mraz rauf und runter.
– Ich spielte zuletzt (Gesellschafts-/Videospiele):
…Das muss sehr lange her sein, denn für mich gibt es kaum Schlimmeres als Spieleabende.
– Diese Filme sind mir wichtig / haben mich beeindruckt:
…Der letzte Kinofilm, den ich gesehen habe, war „Ziemlich beste Freunde“, ein Wahnsinns-Film. Ansonsten einer meiner Allerallerlieblingsfilme: „Der seltsame Fall des Benjamin Button“.
– Was ich an meinen Freunden schätze:
…Sie sind immer für mich da, ich kann mit ihnen lachen, Blödsinn machen, feiern, aber auch über Probleme und ernste Themen sprechen.
– Mein Lieblingsgetränk:
…Mangoschorle und wenns alkoholisch sein darf: Mojito.
– Mein Spezialgericht…
…Schnell zubereitet und extrem lecker: Oh je, ich bin leider eine extrem schlechte Köchin. Aber Gemüsepfanne in sämtlichen Variationen oder Nudeln mit Cocktailtomaten und Pinienkernen gehen immer.
entertaim: Danke für Deine Zeit, Jasmin. Ich wünsche Dir noch viele schöne Stunden auf Sendung – bei Bayern3 oder wo auch immer Dich dein Weg noch hinführen wird.


Redakteur: Thorsten Lehmann

Photos: Jasmin Leuxner

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