Delain / We Are The Others (Roadrunner)

Beim Opener „Mother Machine“ war ich mir nicht sicher, ob die Band das mit dem Sound wirklich ernst meinte, denn es hörte sich in meinen Ohren eher wie ein Roh-Mix an. Vielleicht war das aber auch beabsichtigt und so legen die Holländer mit diesem Anfangssong ungewöhnlich hart los. Diese Hörte legt sich natürlich im weiteren Verlauf der CD und an den Sound, der immer noch etwas befremdlich wirkt, gewöhnt man sich mit der Zeit. Was heraussticht ist die Tatsache, dass mich Sängerin Charlotte Wessels immer an ABBA erinnert und wenn man bedenkt, dass ABBA eine der erfolgreichsten Pop-Combos der Welt war, ist das natürlich eine Auszeichnung. Außerdem enthält die neue CD einige ganz starke Songs wie z. B. „Milk and honey“ … aber wo Licht ist, gibt es bekanntlich auch Schatten und davon gibt es einige. Allen voran die Tatsache, dass diverse Tracks wie der Titelsong „We are the others“ absolut überraschungsfrei und nach einem Schema F geschrieben worden sind … man beginnt mit einem Keyboard-Thema, so wie es Nightwish und HIM vor gefühlt 20 Jahren vorlebten, und inszeniert vorhersehbare Mainstream-Nummern im Bereich Gothic light und begibt sich auf die musikalische Ebene von LaFee etc, was natürlich okay ist, der Band aber ein großes Stück Einzigartigkeit nimmt, sodass die Kompositionen im poppigen Einheitsbrei verdümpeln. Hinzu kommt ein weiteres Manko, dass man in bestimmten Passagen zu stark versucht, nach Lacuna Coil zu klingen (z. B. „Whe is the blood“). Unterm Strich bleibt ein insgesamt anständiges Album mit gutem Gesang, einem gewöhnungsbedürftigen Sound und bedauerlicherweise zu vielen Klischees.

3/5

Redakteur: Dennis Rowehl