Chris Brandl / Vom Surfer zum Immobilienmakler

MIAMI RENEGADES PART 1 – „Miami is the place“. The American Dream … vom Tellerwäscher zum Millionär, so lautet immer noch der Mythos … doch es gibt auch ganz andere Geschichten, wenn während der Tellerwäscher diesen Job sicher nicht als Berufung ausübte, gibt es Menschen, die es in die USA zog, um ihrem Lebensstil, ihrem Hobby nachzukommen … und einen Weg fanden, auf ihrem Weg erfolgreich zu werden. „Miami Renegades“ ist eine Doku der besonderen Art, um interessante Persönlichkeiten vorzustellen, die ihren persönlichen Weg zum Ruhm beschreiben. So traf ich Christian „Chris“ Brandl, Immobilienmakler in South Beach (Florida), der einst von √ñsterreich in die USA auswanderte, sein Glück suchte und dieses auch fand! Chris Brandl über Miami, die Immobilienbranche, die Wirtschaftskrise und Anna Kournikova.

Bilder: Dennis Rowehl

entertaim.net: Chris. Du bist als Immobilienmakler in South Beach tätig und betreust 8 Hochhäuser, unter anderem den legendären Portofino Tower, in einer der schönsten, reichsten und sonnigsten Regionen der Welt. Ist das harte Arbeit oder meistens ein Vergnügen, wenn man die Arbeits- bzw. Lebensumstände betrachtet?
Chris Brandl: (lacht) Das ist schon harte Arbeit, speziell die ersten Jahre waren sehr hart. 90% ist am Anfang reine Zeitverschwendung …… ein riesiger Konkurrenzkampf mit ca. 3000 Immobilienmaklern allein in Miami Beach, das dauert, bis man ein gutes Image hat und die Käufer dir vertrauen. Der österreichische Background hilft sicherlich: Disziplin, Pünktlichkeit und so weiter …

entertaim.net: In deinem Repertoire befinden sich die Segmente Eigentumswohnungen, Mietwohnungen sowie Leasing. Welcher Bereich ist zurzeit der stärkste?
C.B.: Die Saison geht hier von November bis April, Preise richten sich natürlich nach Angebot und Nachfrage, im Winter steigen die Preise, Vermietungen waren sehr stark in den letzten 2 Jahren, weil jeder Käufer on „STANDBY“ war.
entertaim.net: In den Medien ist nach wie vor von einer Wirtschaftskrise die Rede. Nun ist Miami Beach die Heimat sehr vieler reicher Menschen, ist die Wirtschaftskrise da überhaupt ein Thema?
C.B.: (lacht) Nein, nicht in der exklusiven „SOUTH OF FIFTH“-Gegend. Hier dürfen auch keine neuen Hochhäuser mehr gebaut werden … what you see is what you can get! … Man sieht, dass die Reichen nicht sehr von der Krise betroffen sind, speziell Wohnung oberhalb von 1 Mio Dollar … it’s all about location, location, location!
entertaim.net: Du hast deine Karriere eher ungewöhnlich begonnen … und zwar als Surfer auf Hawaii. Der Bezug zwischen Surfing und der Immobilienbranche liegt ja nun nicht unbedingt auf der Hand. Wie kam es dazu, dass du Makler geworden bist?
C.B.: (lacht) Ernsthaft, ich war immer an Immobilien interessiert, Hawaii war in den 90ern der Hotspot! Ich habe 17 Jahre auf Honululu gelebt, da ich damals aber sehr jung war, 18 Jahre), war es schwierig, in diesen Kreis zu kommen und respektiert zu werden. Es war der perfekte Traum von mir, Windsurfing und der Immobilienmarkt! Ich wurde da leider nicht reich … (lacht) Als ich 1992 in Florida zu Besuch war, sah ich, wie günstig zu der Zeit die Immobilien im Vergleich zu Hawaii waren. Hawaii war vergleichbar mit Beverly Hills, also der höchste Preis in den Vereinigten Staaten! Und wieder … Location, location, location … (lacht). Also, es war so günstig in Naples, da habe ich sofort eine Anzahlung gemacht … meine Immobilienlizenz war nur in Hawaii gültig, da musste ich sofort mit dem Lernen anfangen, um auch in Florida eine Lizenz zu bekommen, damit ich die Provision selber behalten konnte. Als ich dann mal nach Miami für ein Wochenende kam und neben Anna Kournikova im Nikki Beach an der Bar saß … there is another story …) und den Portofino Tower hinaufgesehen habe, hab ich mir sofort gedacht: Souh Beach ist der Ort für mich!
2001 zog ich in ein Ocean Hotel an der Collins Ave, keine Air-Condition für 20 Dollar die Nacht ein. Ich wohnte da fast 3 Monate, billiger als eine Wohnung mit Kaution. Ich dachte in dieser zeit, dass ich es einfach schaffen muss! Ich war der erste, der morgens im Büro war … hier arbeitet keiner vor 10 Uhr … und der letzte am Abend beim zusperren (…) Nachdem sie mir mein Fahrrad und Scooter gestohlen hatten, musste ich meine Immobilien zu Fuß herzeigen und als dann noch September 11 passierte, hätte ich beinahe aufgegeben, ohne Geld kann ich auch in Hawaii leben und surfen.
Da wurde mir auch klar: Weniger ist mehr! Ich spezialisierte mich nun mehr auf „South of Fifth“ Gott sei Dank, 3 Monate später verkaufte ich das Penthouse im Portofino um 6,1 Millionen Dollar … highest sale at that time! Hmm, dachte ich mir … vielleicht bleib ich doch noch ein wenig länger! (lacht)
11 Jahre später: Verheiratet mit Hund und Kegel, 2 Kinder … Und hier die Moral der Geschichte: Don’t give up! There is a very fine line between success and failure !!!
entertaim.net: Welche Voraussetzungen braucht man in den USA, wenn man als Makler in die Immobilienbranche einsteigen möchte?

C.B.: Eine Realestate-Lizenz und eine Arbeitsgenehmigung. Makler bekommen kein Fixgehalt, das heißt: Sparen für minimal ein Jahr, bis man die erste Immobilie verkauft, dann gibt es 3% Provision von Verkaufspreis.
entertaim.net: Was hatte dich dazu bewogen, nach Miami zu ziehen? Abgesehen von den Immobilienpreisen?
C.B.: Nach 17 Jahren Hawaii gab es nur Kalifornien oder Florida, ich muss am Meer sein, da Miami näher zu Europa liegt, dachte ich mir, dass Miami einfach perfekt ist.
entertaim.net: Surfst du eigentlich noch?
C.B.: Nein, die Wellen sind nicht mit Hawaii zu vergleichen, Kite Surfing eher, aber seit einer Woche habe ich einen Stand up Jetski, und das ist ein guter Workout ….
entertaim.net: Betreust du zurzeit auch deutsche Kunden, die sich in South Beach niederlassen möchten?
C.B.: Eher wenig, der deutsche Markt ist mehr an der Westküste von Florida, Naples, Fort Meyer’s, Sarasota. Miami ist 90% amerikanisch und lateinamerikanisch (Venezuela, Argentinien und Brasilien). Von meinen letzten 10 Deals waren 7 Latin-Cash-Käufer! Im Ernst!
entertaim.net: Chris, vielen Dank für diesen Einblick. Wann geht’s mal wieder nach Österreich?
C.B.: Diesen Sommer. Wenn Du Zeit hast, komm vorbei 🙂


Interview: Dennis Rowehl

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